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Renate und Jürgen schrieb am 17. Juni 2013 um 20:42
Pilgern ab 60 (4)Pilgern ab 60 (4) Am 12.05.2013 standen wir wieder auf dem Jakobsweg in Auxerre. Die nächsten 20 km am Kanal der Yonne entlang, bis Cravant werden im Buch „wie ein Sonntag im Mai“ bezeichnet. Sie sind es auch. Leicht zu laufen geht es in einer schönen Landschaft voran. Anders dann hinter Cravant. Gleich hinter dem Ort muss man einen fast zugewachsenen Weg steil bergauf. Oben zeigen die Jakobsschilder zum Glück, dass man richtig war. Der Weg ist gleichzeitig der GR654. Kommt man weiter, kann man einen Abstecher zu den Grotten von Arcy machen. Wir sahen heute die zierliche Pilgerin wieder, so Mitte 50, aus den Niederlanden, die wir gestern schon gesehen hatten und liefen eine halbe Stunde gemeinsam. Wegen eines Unfalls kann sie nicht schwer tragen. Ihr Ehemann begleitete sie deshalb mit einem Wohnmobil. Vor Asquins kommt dann für jeden Pilger ein besonderer Moment. Man sieht das erste Mal in der Ferne auf einer Anhöhe die riesige Basilika von Vèzelay. Waren es vor 1000 Jahren die Gebeine von Maria Magdalena, 200 Jahre später dass 100.000 Mann-Heer des zweiten Kreuzzuges, welches hier lagerte, heute wieder neue Reliquien von Marie Magdalena oder einfach nur dieses grandiose Bauwerk, es gibt vieles, was dem Ort diese große Bedeutung gibt. Und dann beginnt hier einer der 4 wichtigsten Jakobswege nach Saint-Jean-Pied-de-Port, die 940 km lange Via Lemovicensis. In der nächsten Stunde waren noch 4 km und 150m Höhe zu überwinden und wir standen vor dem alten Stadttor von Vèzelay. Der Ort hat sich noch viel von seinem alten Charme bewahrt. Man kommt dann schnell zur Basilika. Wir waren so von den Eindrücken eingenommen, dass wir sogar den Stempel für unsere Pilgerpässe vergaßen. Also noch einmal zur Basilika zurück. Die freundliche Madame wollte erst einmal einige Daten für die Statistik von uns haben. Die Frage nach dem Ziel in diesem Jahr war eigentlich nicht zu beantworten. Wir hatten dieses Ziel selber noch nicht festgelegt. Dann hat sie uns mehrfach Saint-Jean-Pied-de-Port, fast schon bittend, in den Mund gelegt. Na ja, so haben wir uns geeinigt, dass sie das Kreuz dort machen soll. Wir hatten in Vézelay etwas Mühe, die nächste Übernachtung in Bazoches-du-Morvan reservieren zu lassen. Die einzige Möglichkeit im Buch, ein Chambre d`hôtes, hatte sich etwas schwer getan. Vor Ort gab es dann noch weitere Übernachtungsmöglichkeiten, was wir aber nicht wussten. Davon ein Restaurant mit Zimmer direkt an der Straße, mit recht preiswertem Essen. Zurück zum Tag. Erst einmal durften wir stundenlag im Regen laufen, bis wir am Tagesziel ankamen. Dort war niemand zu sehen, dafür ein Zettel an der Tür mit Text auf Französisch, u.a. mit unserem Namen. Wir hatten absolut keine Ahnung, was darauf stand. Eine Nebentür am Haus war nicht verschlossen. Also die Rucksäcke hinein gestellt und zum Mairie wegen des Stempels gelaufen. Den Zettel hatten wir mitgenommen, aber Mademoiselle sprach kein Englisch und Deutsch erst recht nicht. Eine herbeigerufene Kollegin half in Englisch weiter. Es war keine Absage. Und es stand drauf, dass wir im Haus die Treppe hinauf zu den Zimmern gehen sollten. An einer Tür wäre ein Zettel mit unserem Namen, dies war unser Zimmer. Wer die französische Sprache ein wenig beherrscht, ist also schon im Vorteil. Weiter ging es in den nächsten Tagen nach, Corbigny, Champallement, Prèmery und Guerigny, wir sind im-mer noch in der Bourgogne. Auf dem Weg nach Guerigny hatte es wieder viel geregnet. Eine einzige Bushal-testelle gab es unterwegs, wo wir trocken rasten konnten. Und genau hier holte uns Dries ein. So Anfang 20, mit vollem Gepäck kam er aus Belgien und hatte über 1000 km hinter sich. Er wollte bis Compostela durch-laufen. Wir liefen eine Weile miteinander, dann war er wieder schneller. Morgen werden wir in Nevers sein. Nevers ist eine Stadt an der Loire und hat neben der Kathedrale und dem Palais Ducal noch andere Sehenswürdigkeiten. Die wohl Wichtigste ist das Kloster St. Gildard. Hier können Pilger auch übernachten. Wir wurden bald nach der Ankunft gefragt, ob wir denn schon bei der Bernadette waren. Waren wir noch nicht, weil wir die Zusammenhänge noch nicht kannten. Bernadette, besser gesagt die Heilige Bernadette war das einfache Bauernmädchen, der in Lourdes 1858 mehrfach die Gottesmutter Maria erschienen war. Seitdem entspring dort eine Quelle, der Heilkräfte zugeschrieben werden und zehntausende Besucher jedes Jahr hinzieht. 1866 ging Bernadette nach Nevers zu den Barmherzigen Schwestern in dieses Kloster St. Gildard. 1879 starb sie mit nur 35 Jahren und wurde hier beigesetzt. Nachdem man Jahre später gesehen hatte, dass ihr Leib nicht verwest war, liegt sie heute in einem gläsernen Sarg in der Kirche des Klosters. Das freie Gesicht und die Hände sind mit einer Wachsschicht konserviert und geben ihr das Aussehen wie zu ihrer Todeszeit. Soweit das Sachliche. Jeder aber, der vor ihr steht, ist wohl berührt, wenn nicht sogar ergriffen, dieser gewesenen Person so nahe zu sein. Am nächsten Tag waren wir in Saint-Parize-le-Chatel in einem Refuge pélerin prive angemeldet, sollten aber nicht vor 17:00 Uhr eintreffen. Das bedeutete, nicht zu früh aufzubrechen. Also sind wir noch einmal in Ruhe zur Saint Bernadette gegangen. Gegen 10:30 Uhr ging´s dann los. Das Wetter war gut, leider nur anfangs. Schon vor der Rennstrecke Magny Cours fing es an zu regnen. Fast hätten wir es noch einigermaßen geschafft, wenn wir nicht den ausgeschilderten Jakobsweg genommen hätten. Anfangs geschottert und noch gut laufbar ging er in einen Rasenweg und dann in einen Feldweg über. Der war dann auch noch in voller Breite immer mal wieder überflutet. Der Regen wurde stärker und kam 45° von der Seite. Triefend kamen wir bei Monsier Chapek an. Er sprach weder Englisch noch Deutsch, nahm uns wortlos den Pilgerstab ab und deutete auf unsere nassen und dreckigen Schuhe. Selbstverständlich hätten wir sie auch selbst gleich hinter der Tür ausgezogen. Ein bisschen auf „alternativ“ gepolt war er durch und durch Jakobsweg-Anhänger. Menschen wie ihm ist es zu verdanken, dass der Jakobsweg seit Vézelay sehr gut ausgeschildert ist. Er zeigte uns unser Zimmer und ging dann wortlos in die Küche um Gemüse vorzubereiten. Jürgen machte ihm in Zeichensprache klar, dass er mit helfen wollte. Wortlos bekam er ein Messer und dann wurde das vegetarische Abendessen zu zweit vorbereitet. Später kam Madame Chapek von der Arbeit und sie sprach Englisch. Es passte zu den Beiden, dass sie sich von ihrem Jakobsweg aus Spanien einen ausgesetzten Hundewelpen mitgenommen hatten. Er heißt deshalb auch „Camino“. Am nächsten Tag verließen wir die Bourgogne und erreichten bei Le Veurdre an der Allier die Region Auvergne. Die Landschaft ist abwechselungsreich und schön, die Sonne schien wieder. In Charenton-du-Cher erwartete uns in einem fast herrschaftlichen Gebäude Madame Mativon in ihrer privaten Pilgerherberge. Sie ist eine herzliche Frau und wir konnten am Abend bei ihr das letzte Mal auf dieser Etappe die französische Küche genießen. Es war unser vorletzter Tag. Am nächsten Tag hatten wir Saint-Amand-Montrond erreicht und weitere 254 km lagen auf unserem Jakobsweg hinter uns. Jetzt ging es zurück und wir machen erst einmal Sommerpause. Viele Grüße von
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