Gästebuch
Renate und Jürgen
schrieb am 21. Juni 2014
um
10:44
Pilgern ab 60 (7)Es ist gerade einmal 4 Wochen her, als wir den Jakobsweg im April hier in Mont-de-Marsan beendet hatten. Jetzt ging es weiter. Gleich hinter Mont-de-Marsan haben wir Walter, 51J., getroffen. Ein Deutscher, der jetzt in Belgien lebt, hatte sich von Beruf und Ehefrau 3 Monate Auszeit genommen und pilgerte den Jakobsweg von der Haustür bis nach Santiago de Compostela. Bis zur Mittagszeit liefen wir gemeinsam. Als die Temperaturen die 25°C überstiegen, haben wir dann doch eine Pause mehr eingelegt als er, zumal Renates rechtes Knie Probleme machte. In Saint-Server angekommen beeindruckte uns besonders die ehemalige Benediktinerabtei, wo heute, zum Glück für den Erhalt, die Stadtverwaltung untergebracht ist. Am nächsten Tag ging es nach Hagetmau. Das Wetter hatte über Nacht von Wärme auf Regen umgeschaltet. Es war aber ein milder und leichter Regen. Wir kamen gut voran. Kurz vor Hagetmau dann ein kurzer Halt an dem schönen Steinkreuz an Stelle des ehemaligen Pilgerhospitals. In Hagetmau gab es auch ein Wiedersehen mit Walter. Wir saßen lange zusammen in einem kleinen Restaurant. Am nächste Morgen ging es früh los. Denn die geplante und einzige Übernachtungsmöglichkeit für heute in Sault-de-Navailles war geschlossen. Also mussten wir zwei Tagesetappen laufen. Bis Mittag lief es gut. Dann kam die Stunde, als das Gewitter kam. Mit Platzregen schräg von rechts, Blitze, zum Glück etwas weiter entfernt. Nach einer Stunde war alles vorbei und die Luft ganz klar. Oben, am Friedhof bei Sallespisse sahen wir zum ersten Mal in der Ferne die Pyrenäen - welch ein Moment. Schon nach wenigen Kilometern erschienen sie immer größer. Gegen 18:00 Uhr hatten wir Orthes erreicht. Es war doch ein recht langer Tag auf dem Weg. In Orthes ist die Pilgerherberge übrigens in einem schönen, historischen Gebäude untergebracht. Am nächsten Tag hatten wir wieder ein Problem mit der Übernachtung. Unser letzter Wirt hatte uns dann 3 km weiter in Osserain ein Quartier besorgt. Erst einmal aber waren 4 Stunden im Regen zu laufen. Dann ging es so mit dem Wetter und zum Ausgleich wurden die Pyrenäen immer schöner. Im Quartier in Osserain haben wir Jonas getroffen, der auf Inline-Skatern nach Santiago unterwegs war. Saint-Palais war das nächste Ziel. Es war ein schöner Lauftag bei nur 17km. Um 14:00 Uhr waren wir am Kloster. Hier wollten wir zwei Tage bleiben. Geht eigentlich nicht, mit Renates Knie ging es doch. Die Klosterregeln aber sind streng. Um 09:00 Uhr mussten wir raus aus dem Kloster und durften erst ab 14:00 Uhr wieder hinein. Darauf hatten wir auch gewartet, denn es regnete den ganzen Tag. Hinter Saint-Palais befindet sich auf einer Anhöhe die Stele von Gibraltar. Sie steht für das Zusammentreffen der drei Pilgerwege von Le Puy (Via Podiensis), Vézelay (Via Lemovicensis) und Tour (Via Tourensis), die aber erst danach zusammentreffen. Doch einige Kilometer weiter, in Ostabat sieht man schon erheblich mehr Pilger. Es müsste der Ort Gamarthe gewesen sein, wo neben der kleinen Kirche eine rustikale Pilgereinkehr war. Im Vertrauen war Selbstbedienung bei Kaffee, Kaltgetränken, Kuchen und Joghurt angesagt. Die Bezahlung lief ohne Preisliste auch auf Vertrauen. Abgewaschen wurde vom Hauspersonal. Auf dem Trockenklo stand ein großer Behälter mit Hobelspänen und einem Emailbecher zum einstreuen dazu. Es geht auch einfach! Die Pyrenäen liegen nun majestätisch vor uns. Jetzt nur noch den kleinen Ort La Magdeleine durchqueren, dann müsste Saint-Jean-Pied-de-Port zu sehen sein. Dieser Ort wird von vielen Pilgern als Beginn des Camino Francés und damit als Start von „ihrem Pilgerweg“ angesehen. Einen guten Kilometer weiter war es dann soweit. Man durchschreitet das Saint-Jakobs Tor an der Zitadelle und geht auf der Rue de la Zitadelle in den historischen Teil von S.-J.-P.-d.-Port hinein. Hier sieht und riecht es förmlich nach Jakobsweg. Das Straßenbild mit den alten Häusern und der Kirche vor der alten Brücke passen einfach perfekt. Unsere Übernachtung lag auch an dieser Straße. Der Blick nach hinten hinaus ging über die vielleicht 30m davorstehende, aber unter uns liegende alte Stadtmauer in Richtung Pyrenäen. Eine kleine überdachte Terrasse, nach vorn offen, war ein beliebter und notwendiger Treffpunkt der 15 Pilger aus diesem Haus. Ein offenes Waschbecken an der Wand für die kleinen Säuberungen und daneben hinter zwei Holzverschlägen die Dusche und die Toilette für die gesamte Truppe war der Sanitärbereich. Etwas mehr Zeit für diesen Ort wollten wir schon haben. Die Wirtin ließ sich mit Blick auf Renates schmerzendes Knie erweichen. Wir brauchten an diesem zweiten Tag nicht mit den Pilgern zwischen 05:30 und 07:00 Uhr frühstücken. Für uns war 08:00 Uhr angesagt. Leider hatte es wieder den gesamten Tag geregnet. Eine Sache viel uns auf. Es liefen sehr viele Pilger mit neuen Schuhen und sauberen Hosen herum. Das waren die „Neuen“, die ihren Weg hier begannen. Am anderen Morgen wurde es ernst. Wobei an diesem Tag nur eine kurze Anstiegs-Etappe auf dem Programm stand. Nach 06:00 Uhr standen erst einmal die Pilger aus dem „10er-Zimmer“ zum Gruppen-Zähneputzen am Waschbecken. In voller Kleidung; eine kleine Asiatin hatte sogar schon ihren Regenponcho an und die Kapuze über dem Kopf, obwohl erst für den nächsten Tag Regen angekündigt war - welch eine Aufregung. Wir „mussten“ dann um 07:00 Uhr zum Frühstück. Die Pilgertruppe aus dem 10-Personenzimmer war schon fertig, so dass wir Platz am Tisch hatten. Dann ging es los (wo wir doch eigentlich Zeit hatten). Nur 200 Höhenmeter waren zu überwinden, also standen wir trotz längerer Pause unterwegs schon gegen Mittag an der Unterkunft in Valcarlos, welches schon in Spanien liegt. Damit hatten wir das nächste Problem. Über dieses Zimmer, schon in Magdeburg gebucht, weil rar, hieß es in der Reservierung, dass erst um 17:30 Uhr jemand kommt. Das Haus lag etwa 5 m vom Fußweg zurück. Die Zimmer im Erdgeschoss hatten Zugang von Außen. Nach der vergeblichen Suche nach einer Person, die uns vielleicht weiter helfen könnte, haben wir an einer dieser Türen einen eingesteckten Schlüssel mit einem kleinen Anhänger und verwischter Kreideaufschrift „ Jürgen 2 pax“ gesehen. Sollte dies für uns sein? Erst einmal hinein und die Rücksäcke abgestellt. Entschuldigen könnten wir uns später immer noch … . Es war für uns!!! So unkompliziert kann man es machen. Der nächste Morgen: Der Blick auf die Straße beim Frühstück sah, dass es trocken war - schön. Eine halbe Stunde später - die Straße war nass, es regnete - Sch... . Das fing gut an. Was dann folgte, waren 6 Stunden im Regen laufen, um die 16 km und den Höhenunterschied von 750m zu schaffen. War es am Anfang noch leichter Regen, schüttete es oben wie aus Eimern. „Oben“ ist der Ibañeta-Pass auf 1057m. Dann lag Roncesvalles vor uns. Es ist nur eine kleine Häuseransammlung, die von der mächtigen Augustinerabtei und den Pilgerunterkünften dominiert wird. Vor dem Erhalt des Pilgerstempels musste das „wer“ und „woher“ ausgefüllt werden. Abends bei der Pilgermesse, die sehr schön war, wurden dann auch ca. 20 Länder aufgezählt, die heute mit Pilgern vertreten waren. Gefühlt geht der Camino Francés für uns jetzt richtig los. Beim Losgehen erinnert ein Schild mit der Aufschrift „SANTIAGO DE COMPOSTELA 790“ an die nun vor uns liegende Strecke. Der Jakobsweg verläuft auf einem eigenen Weg durch Wälder und Weideland. Mal ist er gut zu laufen, mal durch Matsch, zwischendurch die Orte. Obwohl vom Höhenunterschied eigentlich bergab, hatten wir immer wieder Anstiege zu bewältigen. Noch etwas Neues kam jetzt hinzu. Hatten wir bisher feste Planungen für die Tagesetappen und schon zu Hause eine Vorstellung oder sogar feste Reservierungen für die Übernachtungen, so werden wir uns jetzt mehr vom Verlauf des Weges und der Übernachtungsmöglichkeiten leiten lassen. In Biskaretta-Gerendiain war es eine Pension, die mit „Englisch“, „Deutsch“, und „Französisch“ wirbt. Und so waren wir mit 2 Frauen aus den USA, einem Paar aus der Schweiz und einem aus den Niederlanden am Tisch. Gesprochen wurde hier Englisch und Deutsch, so dass alle einbezogen waren. Weiter ging es auf und ab. Gerade hier war viel Schotter und Geröll. Man musste sehr auf den Weg achten. Renate war „begeistert“. Dazwischen auch immer schön zu laufender gerader Weg. In Zubiri, mit der mittelalterlichen, schönen Puente de la Rabia, wurde Rast gemacht. Während wir vor Saint-Jean-Pied-de-Port nur wenige Pilger unterwegs getroffen hatten, riss es hier nun nicht mehr ab. Man wird in den verschiedensten Sprachen angesprochen und gegrüßt, einmal sogar in Russisch, meist jedoch mit „bon camino“. Gleich hinter Larrasoaña liegt der kleine Ort Akeretta mit einem kleinen Hotel, welches als Geheimtipp gilt. Sehr liebevoll eingerichtet, hatte es aber seinen Preis. Heute war Pamplona als letzte Tagesetappe unser Ziel. Eine Weile geht es auf einem schmalen Weg am Fluß entlang. Dann kommt hinter Irotz, nach einem Rastplatz, ein steiler Anstieg, der teilweise als Treppe ausgebaut werden musste. Entschädigt wird dies mit dem wundervollen Ausblick von hier oben. Heute war aber auch schon das zweite Gedenkkreuz für Pilger, die ihren irdischen Weg hier beenden mussten. Vor Pamplona liefen wir über die mittelalterliche Brücke von Trinidat de Arre. Gleich dahinter der Konvent der Hermanos Maristas, welcher immer noch eine Pilgerherberge betreibt. Die Bebauung geht fast übergangslos in das Häusermeer von Pamplona über. Beinah direkt an unserem Weg liegt die Casa Paderborn, eine Pilgerherberge, die vom Freundeskreis der Jakobspilger Paderborn geführt wird. Zwar war unsere Übernachtung nicht hier geplant, aber da wir einen Stempel von Paderborn in unseren Credencials haben, haben wir uns hier den Stempel für Pamplona geholt. Mit dem Besuch der Kathedrale in der Altstadt endete dann der Jakobsweg auf dieser Etappe. Es war dieses Mal eine kurze Etappe. Die Ehrfurcht vor der Überquerung der Pyrenäen (die aber unbegründet war) und die Voraussetzung einer Bahnstation hatten Pamplona als Ende ausgewählt. Jetzt sind wir insgesamt 2.335 km unterwegs. Viele Grüße von
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