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Renate und Jürgen schrieb am 11. November 2014 um 10:07
Pilgern ab 60 (8)Die lange Sommerpause war vorbei. Am 28.09.2014 standen wir wieder auf dem Jakobsweg am Stadtrand von Pamplona. Vor uns Pilger, hinter uns Pilger. Man sah, wir waren jetzt auf dem Camino Francés. Heute wollten wir noch einen unserer Lieblingsorte erreichen, Puente la Reina mit seiner schönen, alten Brücke. Doch erst einmal kam ein Anstieg von über 300 Höhenmetern hoch auf den Puerto del Perdon. Oben auf dem Bergkamm steht eine lange Reihe von Windkraftanlagen. Gleich daneben eine Reihe schöner Pilgerskulpturen aus Stahlblech. Das war gut für´s Foto. Dahinter geht es brutal steil eine Geröllstrecke hinab. Es gab schon eine Reihe von Unfällen hier, gut das wir die Trekkingstöcke hatten. In Muruzábal haben wir doch den Umweg zur Iglesia de Santa Maria de Eunate, einer achteckigen Kapelle aus der Templerzeit gemacht. Sie war sogar geöffnet. Der Raum war erfüllt von leiser Musik, welche zusammen mit der wundervollen Ausstrahlung zu einer tiefen, inneren Ruhe führt. Einer Pilgerin liefen Tränen über die Wangen. Wir haben es uns auch nicht nehmen lassen, den Weg um die kleine Kirche, der mit flachen Flußsteinen hochkant befestigt ist, wie empfohlen einmal rings herum barfuß zu laufen. Das Gefühl unter den Füßen war schon irre, doch der Schmerz überdeckte andere Gefühle. Bald waren dann Obanos und Puente la Reina erreicht. Die Brücke sollten wir erst morgen sehen. Es ist die eine lange Straße mit ihren alten Gebäuden, die diesen Ort prägen. Am Ende kommt die berühmte Brücke. Ein netter, älterer Spanier ließ sich gerne in Nahaufnahme auf der Brücke fotografieren, es war ein schöner Tagesanfang. Insgesamt war diese Tour sehr von netten Bekanntschaften geprägt. Immer wieder wird man gefragt: Woher kommt ihr? Wo seit ihr gestartet? Bis wohin wollt ihr, usw. Am Nachmittag hatten wir Estella erreicht. Zum ersten Mal aßen wir am Abend das typische Pilgermenü. Man kann zwischen bis zu 5 Vorspeisen, bis zu 5 Hauptgerichten und einigen Nachspeisen wählen. Dazu gibt es Wasser, eine Flasche Wein zu zweit oder auch zu viert Am nächsten Morgen, eine halbe Stunde nach unserem Start, eine Pilgeransammlung an einer Gebäudewand. Richtig, das war die kostenlose Weinquelle an der Hauswand einer Weinkellerei. Es gab doch wirklich Pilger, die aus dem Hahn ihre Flaschen abfüllten. Wir nahmen den obligatorischen Schluck. Unterwegs fingen die Weinberge mit den reifen Trauben an. Da langt man natürlich hin. Bei schönem Wetter liefen wir durch eine tolle Landschaft bis Los Arcos. Danach kamen wir zum ersten Mal an einer Ansammlung von Steintürmchen vorbei, welche Pilger aus runden Feldsteinen übereinander geschichtet hatten. Es sollten in den nächsten Tagen noch mehr werden. Beim Abendessen hatten wir Matt und Marsha aus dem US-Staat Washington kennen gelernt. Matt, ein typischer USA-Amerikaner fragte gleich Jeden nach seinem Vornamen und nannte auch gleich seinen und seiner Frau Marsha. Er half uns ein paar Tage später bei einer Übernachtung, als er das letzte DZ nicht nahm und dafür eine Übernachtung mit zwei Schlafzimmern reservierte. Für Logrono hatten wir leider keine Zeit, für Maria kurz davor schon. Sie ist mit ihrem kleinen Tisch unter einem Feigenbaum am Weg schon fast eine Institution, weil man sich bei ihr den Tagesstempel holen kann. Etwa hier ist auch die Grenze zwischen Navarra und La Rioja. Bei Logrono gibt es die Burg von Clavijo. Der Legende nach war eine Schlacht gegen die Mauren schon fast verloren, als ein Ritter auf einem weißen Pferd eingriff und zum Sieg führte. Es soll der Apostel Santiago gewesen sein. Abends in Navaretta haben wir dann auch Matt und Marsha wiedergesehen. Dazu Jill, geboren in Kanada, ehemals Pilotin bei der KLM, lebt sie jetzt in Toulouse. Das Wetter am nächsten Tag war wieder schön. Um 22°C, trocken, also ideal zum Laufen. Der Weg war gut und wenig Auf und Ab. Bald hinter Navaretta liegt ein Friedhof dessen Eingangsportale vom ehemaligen Pilgerhospital San Juan de Acre stammen. Die Kapitelle an den Säulen geben Bilder aus dem Pilgerleben wieder. So werden einem Pilger die Haare gewaschen, andere speisen zusammen. Wir waren früh in Najera. Jetzt war Zeit, den Ort anzusehen. Auf der anderen Seite des Rio Najerilla lag die Altstadt mit dem Kloster. Das Kloster Santa María la Real, mitten in der Stadt, ist ein wuchtiges Gebäude, fast einer Burg gleich. Die Kirche innen ist übervoll mit Gold geschmückt. Das ist sicher Geschmacksache, zumal wenn man bedenkt, woher das Gold kam. Der Kreuzgang mit seinen filigranen Arbeiten ist sehr sehenswert. Am nächsten Tag auf dem Weg nach Santo Domingo de la Calzada wurde es richtig warm. Bei vollem Sonnenschein waren es gefühlt um die 30°C. Mit knapp 23 km und einigen heftigen An- und Abstiegen hatten wir deftiges Stück Weg zu bewältigen. Unterwegs sprachen uns Keith und Susan aus Neuseeland an. Beide ehemals Anwälte und jetzt in Pension. Wir sollten sie jeden Tag wiedersehen. Santo Domingo de la Calzada ist wieder ein solch besonders schöner Ort auf dem Jakobsweg. In der Kathedrale leben auch heute noch zwei weiße Hühner in einigen Metern Höhe hinter einem Gitter. Hierzu gibt es eine Sage über ein Wunder, aber dies würde zu viel Platz hier beanspruchen. Beim Abendessen hatten wir zufällig Keith und Susan wieder getroffen. Sie erzählten von Wellington, wo sie leben und von ihrem Hobby, alte Bucher zu restaurieren. Auf dem Weg nach Belorado kamen wir mit einem weiteren, sehr symphatischen Paar aus den USA, San Francisco Bay, ins Gespräch. Beide sahen wir jetzt jeden Tag bis Leon. Es waren Chisoon und Young, in Süd-Korea geboren und jetzt schon lange in den USA eingebürgert. Es muß in Viloria gewesen sein. Das Tor der einfachen Herberge stand offen. Der Raum war früher eine Scheune oder so etwas. Heute war links hinten eine Küchenecke und rechts hinten ein langer Tisch. Pilger saßen drum herum. Wir setzten uns mit dazu und bestellten etwas zu trinken und zu essen, alles auf Spendenbasis. Der Geck am Tisch war, aus einem gläsernen Weingefäß mit einer langen, schmalen Tülle Rotwein zu trinken. Dabei wurde die Tülle über den offenen Mund gehalten. Da ging auch schon mal was daneben. Später kamen auch Chisoon und Young herein, aber wir vier haben das lieber nicht probiert. Zum ersten Mal auf dieser Tour hatten wir für den nächsten Tag am Wunschort kein Zimmer bekommen. Also umplanen. Statt 20 km nur 13 km bis Villafranca Montes de Oca. Diese kurze Tour war eigentlich für das Tagesziel Burgos gedacht gewesen. Was soll´s. Ab jetzt haben wir jeden Tag ein bis zwei Tage vorher reservieren lassen. Aber zurück zum Anfang. Lausig kalt war es beim Losgehen. So um die 5°C. Wir waren ja auch auf über 950 m. Dazu scharfer Wind von Süd. Zum Glück konnten wir bei der Ankunft gleich unser Zimmer beziehen. In der Nacht hatte es geregnet. Alles war noch naß. Wie gestern, scharfer Wind von Süd. Doch es blieb trocken am Tag. Noch im Ort begann ein steiler Geröllanstieg. Es sollte noch bis auf 1150m gehen. Das war das zweite Mal auf dieser Tour, dass wir richtig geflucht haben. Nach 12 km war San Juan de Ortega erreicht, der Ort, indem wir eigentlich übernachten wollten. Ein kleiner Ort mit einer sehr schönen Kirche und Reste eines kleinen Klosters. Der Gründer, San Juan de Ortega, hatte sein Leben der Betreuung der Pilger verschrieben. Gleich neben dem Kloster eine kleine Bar. Die Frontseite lag im Windschatten und dazu in der Sonne, schöner konnte es nicht sein. Um 14:15 kamen wir an der rustikalen Übernachtung „El Palomar“ in Atapuerca an. Vor dem obligatorischen Pilgermenü kam der Gang durch den Ort bis zur Kirche auf einer kleinen Anhöhe. Von hier oben gab es einen wunderbaren Fernblick. Eine Französin in unserem Alter hatte sich zu uns gestellt. Sie schwärmte von einigen Jahren in Deutschland, wo sie in Kirchenkreisen gelebt hat. Besonders Weihnachtslieder hatten es ihr angetan. Langsam senkte sich die Abenddämmerung herab. Aus einer Eingebung heraus begann Renate ihr das Lied “Stille Nacht, Heilige Nacht“ vorzusingen. Ihr „danke“ kam aus tiefem Herzen. Bei Atapuerca wurden übrigens 800 000 Jahre alte menschliche Knochenreste gefunden. Sie gelten als die Ältesten in Europa. Bald hinter Atapuerca ging es recht beschwerlich bergauf. Dazu auch noch auf glattem Kalkboden. Wenn der jetzt naß gewesen wäre, na dannn Prost Mahlzeit. Die Geröllstrecke weiter bergauf war auch nicht von schlechten Eltern. Renate war „begeistert“, Jürgen auch. Das hier oben ist die Hochebene Matagrande. In der Ferne ist jetzt schon Burgos zu erahnen. Sie ist eine der großen Städte auf dem Camino Francés. Besonders die Kathedrale, auch Weltkulturerbe, ist der Hauptanziehungspunkt der Stadt. Also hin und den Stempel für die Credencials geholt. Burgos und die Kathedrale hatten wir uns schon bei unserem letzten Besuch außen und innen angesehen. Für jeden Neuen ist das natürlich ein Muß. In der Nacht und noch heute morgen hatte es geregnet. Aber trocken ging es dann los, wie schön. Nicht lange, dann regnete es wieder, bis Mittag. Heute hatten wir Young unterwegs öfter getroffen. Wir unterhielten uns viel über die Zeit in der DDR. Als gebürtiger Süd-Koreaner aus einem ebenfalls geteilten Land hatte er großes Interesse daran. Erstaunt war er, dass es in der DDR vergleichsweise besser zuging als in Nord-Korea. Nun erreichten wir die Meseta. Eine Hochfläche auf etwa 800 m, die sich bis fast nach Leon hinzieht. Sie ist keinesweg immer flach. Es gibt einige An- und Abstiege mit über 100 m Differenz. Bei Hornillos del Camino gibt es für die Übernachtung einen Geheimtip. El Mulino, also eine Mühle, aber außerhalb. Man wird nach Telefonanruf mit dem Auto abgeholt und am nächsten Tag auch wieder hergebracht. Elisabeth aus der Schweiz wartete an der Kirche ebenfalls auf die Abholung. Wir kamen ins Gespräch. Mal wieder Deutsch zu reden war entspannend. In der Mühle waren dann auch Jill, Chisoon, Young, Keith und Susan. Von ihnen erfuhren wir, dass Marsha ein Magen/Darm-Problem bekommen hatte und mit Matt einige Tage in Burgos bleiben musste. Am nächsten Tag waren wir richtig in der Meseta. Fast baumlos, hier hügelig und die Kornkammer der Gegend. Die Einen sagen, sie ist ein wenig langweilig, andere meinen, hier hat man viel Zeit zum Nachdenken. Eigentlich haben Beide recht. Man hat jedenfalls dazu immer wieder einen wunderschönen Weitblick über die Landschaft. Etwa in der Mitte der Tagestour liegt Hontanas. Ein kleines uriges Örtchen. In der Mitte die Kirche, daneben die Bar. Das Wetter war schön, draußen gab es genügend Stühle und Chisoon, Young und Jill waren auch schon da. Wir bestellten auch zu essen und zu trinken. Es wurde eine richtig schöne Rast. 6 km weiter kommt die sonderbare Ruine des Klosters San Antón. Die Straße führt direkt durch eine Bogenöffnnung der einstigen Nordhalle. Auch dieses Kloster hatte eine große Bedeutung für den Jakobsweg. Es wurde als Pilgerhospital des Sankt-Antonius-Orden gegründet und versorgte lange Zeit die Pilger mit Lebensmitteln. So sind heute noch zwei größerer Nischen in der Wand zu sehen, durch welche die Pilger ihr Essen bekamen. Jetzt jedenfalls gab es weder Bank noch Stuhl noch liegenden Baumstamm, wo der müde Körper sich mal ausruhen konnte. Weiter ging es also bis Castrojeriz, unserem Tagesziel. Leider waren wieder beide Kirchen im Ort geschlossen. Der Anstieg, der 2 km hinter Castrojeriz beginnt, sieht von weitem gewaltig aus. Auf 1,2 km Weg hat man vielleicht 140 m Höhe zu schaffen. Ruhig angegangen ist der breite Weg leichter zu bewältigen als so manch anderer. Ein paar hundert Meter auf dem flachen Tafelberg Alto de Mostelares gelaufen und es geht wieder hinunter. Laut einem Schild da oben mit 18% auf nur 350 m Weg, es mag etwas mehr gewesen sein. Unten am Fuß eine Gedenktafel für einen jungen Pilger. War er auf dem Mountainbike zu leichtsinnig unterwegs gewesen? Wir wissen es nicht. 10 km weiter, in Itero de la Vega, trafen wir Jill zur Mittagspause in einer Bar wieder. Ein Stück weiter, in Boadilla del Camino, in einer sehr schönen Pilgerherberge neben der Kirche und der wirklich sehenswerten Gerichtsäule waren es dann Chisoon und Young. Jetzt waren es noch 6 km, die vor uns lagen. Es ging ein längeres Stück an einem Kanal entlang. Dann waren die 26 km bis Formista geschafft. Die romanische Kirche aus dem 11. Jh. gleich neben unserer Unterkunft wollten wir uns unbedingt noch ansehen. Leider war auch sie geschlossen. Der Weg heute steckte uns doch ganz schön in den Knochen. So beschlossen wir, das Pilgermenü noch in Ruhe zu genießen und den Tag damit abzuschließen. In der Nacht hatte es geregnet. Regen war auch für den Tag angesagt. Also haben wir uns, wie die meisten Pilger, für den sichereren Weg an der Landstraße entschieden. Der sieht neu aus und hatte kaum Pfützen. Bis Villacázar de Sirga, etwa 5 km vor unserem Tagesziel, blieb es trocken. Hier steht auch eine gewaltige ehemalige Templerkirche, die geöffnet war. Die große, offene Vorhalle ist reich mit Verzierungen geschmückt. Die Kirche gehörte zu dem ehemaligen Kloster an dieser Stelle. Gleich daneben eine Einkehr, wo wir die Rucksäcke mal abnehmen und etwas essen konnten. Die Pause dauerte länger als geplant, denn bald fing es stramm an zu regnen. Sobald der Himmel aufriss, ging es weiter. Dann kam die nächste dunkle Wand am Himmel, wieder mit starkem Wind von links und die hat uns voll erwischt. Wir liefen mit Schirm. Über eine Stunde im Regen hat dann aber ab Unterkante Regenjacke alles nass bis auf die Haut gemacht. Das Wasser lief außen an der Hose und innen an den Beinen hinunter, in die Schuhe hinein und mit jedem Schritt an den vorderen Schnürsenkellöchern wieder mit einem Quietschen heraus. Regenhosen und wasserdichte Schuhe wären von Vorteil gewesen. Angekommen im Hostal in Carrion de los Condes hatten wir uns nach altbwährtem Hausrezept alte Zeitungen geben lassen, die warme Heizung tat ihr Übriges und am Abend war das Schlimmste überstanden. Die Meseta pur erwartete uns heute. Aus Carrion de los Condes heraus geht der Weg noch an dem großen Kloster San Zoilo vorbei. Dann erwarteten uns 18 km Weg ohne Orte und Einkehr. Anfangs auf einer schmalen Asphaltstraße, bis hinter einer Kreuzung die alte Römerstraße beginnt. Die Via Aquitana führt schnurgerade etwa 12 km geschottert über eine ebene Landschaft. Man läuft voll in der Sonne. Es gibt unterwegs zwei Rastplätze und sonst nichts. Wenn man Glück hat, ist auf der Hälfte des Weges eine mobile Versorgungsstelle aufgebaut. Heute war Calzadilla de la Cueza unser Tagesziel. Am nächsten Tag ging es nach Sahagún. Obwohl wir fast 24 km hinter uns hatten, war die Strecke leichter zu laufen. Es gab unterwegs einige Orte, in denen wir Rast machen konnten. Chisoon und Young trafen wir auch wieder. Jill läuft jetzt oft mit Agnes aus Kanada, die wir inzwischen ebenfalls näher kennen gelernt hatten. Die Landschaft ist abwechselungsreicher als gestern und gegen 16:00 Uhr waren wir in Sahagún im Hostal Viatoris. Dieser Ort war eigentlich unser Ziel in diesem Herbst. Nur, wir hatten noch 4 Tage übrig! Also beschlossen wir, noch die 60 km bis Leon zu laufen und dort den 4.Tag als Ruhetag einzulegen. Bevor wir aus Sahagún hinausgingen, haben wir uns noch ein wenig die alte Innenstadt angesehen. Sahagun war politisch und religiös in der Vergangenheit sehr bedeutend. Zum Beispiel war das Kloster Abadía de San Benito el Real de Sahagún das bedeutenste Benediktinerkloster Spaniens. Heute sind jedoch nur noch Reste davon erhalten. Oder die Iglesia de San Lorenzo, eine romanische Kirche im spanischen Mudéjar-Sti, also mit maurischen Einflüssen. Sie ist leider nur von Außen anzusehen. Aufgrund der Wettervorhersage hatten wir uns heute für den Hauptweg entschieden. Er geht meist neben einer kleinen, wenig befahrenen Landstraße entlang. Auch sind die Rastmöglichkeiten hier besser. Der feste Kiesweg ist gut zu laufen. Die schnurgerade Baumreihe wird oder wurde über -zig Kilometer künstlich bewässert. Mit uns hatten die meisten Pilger diesen Weg gewählt. Unterwegs haben wir Jill und Agnes wieder getroffen. Agnes war früher Lehrerin und kam extra aus dem mittleren Kanada um den Jakobsweg zu pilgern. Nach 18 km war dann El Burgo Ranero erreicht. Am nächsten Morgen ging es weiter auf dem Kiesweg an der geraden Baumreihe entlang. Der Tag heute hatte es so mit dem Wetter. Der leichte Regen kam fast waagerecht. Die Hosen war nach kurzer Zeit durch und irgendwann auch die Schuhe. Doch noch am Vormittag hörte es auf zu regnen. Der Wind blies wieder mit gefühlter Windstärke 8 bis 9. Das hatte zumindest den Vorteil, dass die Hosen nach einer Stunde komplett trocken waren, und die Schuhe nach 3 Stunden auch. Nach 12,5 km kam Reliegos, der einzige Ort auf dem Weg heute. Die Pause tat gut. Dann war bald Mansilla de los Mulos errreicht. Ein bedeutender, jetzt kleiner Ort mit 5 Kirchen und ehemals 3 Pilgerhospizen. In der Aubergueria del Camino waren auch Agnes, Chisoon und Young untergekommen. Am Morgen danach, nach dem Frühstück, gab es eine rührige Verabschiedung, Chisoon und Young beendeten am nächsten Tag in Leon ihren Jakobsweg. Sie waren den nachfolgenden Teil bis Santiago de Compostela schon im letzten Jahr gelaufen und fuhren ab Leon zurück in die USA. Unsere Übernachtungen in Leon lagen zu weit auseinander, als dass wir uns dort sehen würden. Chisoon nahm Renate in die Arme und schenkte ihr eine kleine Zierkalebasse, die sie in Santo Domingo de la Calzada für sich gekauft hatte. Renate wiederum wusste, dass Chisoon die Halsbänder mit den kleinen Muscheln, die Renate trug, so mochte. Renate nahm das Halsband mit einer Muschel aus Israel, welches sie gerade trug und legte es Chisoon um. Es war von allen Seiten eine herzliche Verabschiedung. Wir brachen dann zusammen mit Agnes auf, um aus dem Ort hinaus zu laufen. Obwohl sie schneller war als wir, wartete sie immer wieder auf uns. In Arcahueja hatten wir zu Mittag zusammen eine größere Rast. Dann war auch für uns die Zeit für den Abschied gekommen. Etwa hier haben wir auch die Meseta hinter uns gelassen und hatten jetzt noch den Weg nach Leon vor uns. Ein freier Tag für León lag vor uns. Wir konnten uns für die Höhepunkte dieser Stadt richtig Zeit nehmen. Die Altstadt ist etwas für Fußgänger. Entweder verkehrsberuhigt oder sogar ganz ohne Fahrzeuge. Überall noch die alten Gebäude. Dann kam der Platz mit der Kathedrale. Sofort waren die Bilder von unserem letzten Besuch hier wieder im Kopf. Nur hatten wir damals keine Zeit hinein zu gehen. Dafür war jetzt genug Zeit und die hat sich gelohnt. Reine Gotik im schlichten Stil und ohne das überbordene Gold anderer großer Kirchen. Das tat gut. Auch heute noch ist sie für uns die schönste Kathedrale Spaniens. Man könnte noch viele Bauwerke erwähnen. Neben der Kathedrale war für uns aber die Real Basilica de San Isidoro mit dem angrenzenden Panteón Real das zweitwichtigste Bauwerk Leóns. Insbesondere das Letzte besticht mit noch originaler und kraftvoller Deckenmalerei aus dem 12. Jh. Dazu kommen eine gößere Anzahl von bedeutenden Reliquien des Heiligen Isidor, die hier zu sehen sind. Inzwischen war es fast Abend geworden. Die Füße waren müde, der Magen fragte nach dem Pilgermenü und anschließend der gesamte Körper nach einer Ruhezeit. Nach 410 km kam nun am nächsten Tag die Rückfahrt nach Pamplona. Viele Grüße von
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