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Jacqueline Windolph schrieb am 17. April 2018 um 7:26
Samstagspilgern 2018-04-14 Etappe 22018-04-14 Samstagspilgern – Etappe 2 von Querfurt nach Mücheln (Geiseltal) Ein sonniger Tag liegt vor uns, als wir uns kurz vor zehn Uhr am Bahnhof in Querfurt treffen. Das Wiedersehen ist sehr herzlich, die Freude auf die gemeinsame Zeit des Pilgerns groß. Wir zählen 25 Pilger und Christian Vornewald, der uns wie immer als Pilgerpfarrer begleitet. Er begrüßt uns mit einem Gebet. Und er weiß sie noch, die Namen eines jeden anwesenden Pilgers. Die jüngste Pilgerin zählt 11 Jahre. So liegen zwischen den Jüngsten und Ältesten 6 Jahrzehnte, eine bunte Mischung. Wir bahnen uns den Weg durch Querfurt entlang der Stadtmauer, die uns an der Burganlage vorbeiführt, einen steilen Weg aufwärts, um hiernach die vor uns liegenden Kilometer zwischen frisch gepflügten oder noch in den Anfängen steckenden Saaten entlang zu pilgern. Aufgrund des langen Winters stehen die Bäume und Sträucher noch ohne ihr üppiges Blattwerk am Wegesrand. Bei genauerer Betrachtung kann man die Knospen mit ihren grünen Spitzen sehen. Der Wind weht uns um die Nasen und die Sonne breitet ihr warmes Gewandt über uns aus. Ein paar Wolken ziehen am Himmel vorüber. Die Boten des Frühlings, gerade aus dem Süden eingetroffen, begleiten unser Pilgern mit ihren Liedern. Nach wenigen Kilometern verstaue ich meine Jacke im Rucksack. Andere tun es mir gleich. Die Gemeinschaft ist offen und so frei im Denken, dass es immer wieder eine Möglichkeit gibt, interessante Gespräche zu führen. Außerhalb vom alltäglichen Leben und Wirken ist dies eine wunderbare Erfahrung. Als Pilger sind wir eine Einheit, und welche Rolle der Einzelne in seinem Leben einnimmt, ist für diese Zeit nicht wichtig. So genießen wir das Zusammensein. Vor meinen Augen breitet sich eine unendlich scheinende Weite aus. Der Weg führt oft einfach nur gerade aus. Ein kurzer Blick zurück und ich kann noch einmal die Burg mit ihrem markanten Turm sehen, bevor Querfurt hinter einem Hügel verschwindet. Der Weg ist für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung mit den riesigen und schweren Maschinen mit zwei auseinanderliegenden Betonstreifen befestigt. Ein solcher Gigant in Orange kreuzt später noch unseren Weg. Ein anderes Stück führt auf grasbewachsenem Untergrund entlang. Der Gegensatz ist spürbar. Auf dieser weichen grünen Grasmatte lässt es sich angenehmer laufen. Wir machen mitten im Nirgendwo zwischen den Feldern eine kurze Rast, um dann nach weiteren 3-4 km unsere Mittagspause auf dem Dorfplatz von Barnstädt zu genießen. Der angrenzende Löschwasserteich des Dorfes wird gerade restauriert. Ein schöner Platz zum Verweilen und so lassen wir unsere leicht müden Glieder nieder, setzen uns ins Gras und holen unsere mitgebrachten Leckereien aus dem Rucksack. Eine Gedenkstätte für die Opfer des 2. Weltkrieges lässt uns inne halten. Diese vielen Männer, Väter und Söhne, die dieser Ort betrauern musste. Eine Friedenstaube ziert das Denkmal. Wie wichtig der Frieden für die Menschen ist, führt uns gerade das Kriegsgeschehen in Syrien vor Augen. Wir beten für die Menschen dort. Christian findet wie immer Worte, die mich tief berühren. Die Friedenstaube vor sich, spricht er über das Wirken Jesu und zitiert ihn: „Frieden hinterlasse ich euch! Meinen Frieden gebe ich euch!“ Und so ist Pilgern auch immer ein Stück zu sich selbst zu finden, Frieden finden. Der Weg führt uns weiter durch Feld und Flur. Die Wegbeschaffenheit ändert sich kaum. Immer geradeaus, mal etwas leicht aufwärts, dann wieder leicht abwärts, stets doch gerade aus. Wir passieren Oechlitz. Ein kleiner beschaulicher Ort. Es ist ruhig, kaum ein Auto auf der Straße. Eine Familie kreuzt unseren Weg und Christian erkundigt sich nach dem weiteren Weg. So erfahren wir von einer Sperrung, welche uns noch vor Mücheln den Ort Schirma durchqueren lässt. Die Sonne hat unsere Gesichter gefärbt, doch wir merken es kaum, da der Wind uns eine frische Prise in die Gesichter weht. Und dann, nach fast 23 Kilometern erhaschen wir den ersten Blick auf die Stadt Mücheln. Wir schauen auf die Stadt herab, die sich im Tal und an den Hängen ausbreitet. Unser Weg führt an einer Gartenanlage bergab entlang. Mit diesem einzigartigen Blick auf die Stadt werden wir belohnt und jeder andere, der die Stadt zu Fuß auf diesem Weg erreicht, ebenso. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Bahnhof. Die Glieder sind müde und die Füße lahm. Ein wunderbarer Tag neigt sich dem Ende und wir verabschieden uns am Bahnhof von Mücheln. Die einen reisen mit dem Zug zurück zum Ausgangspunkt Querfurt, wo ihr Fahrzeug wartet. Andere werden abgeholt. Wir danken unserem Pilgerpfarrer Christian für seine Vorbereitung, seine Begleitung, seine Andachten, mit denen er immer wieder unsere Herzen tief berührt. Buen Camino Eure
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