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St. Jakobus Pilgerweg Sachsen-Anhalt

 

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Samstagspilgern 2018-04-14 Etappe 2

17.04.2018 Uhr Jacqueline Windolph ndc.windolph@gmail.com

2018-04-14
Samstagspilgern – Etappe 2 von Querfurt nach Mücheln (Geiseltal)

Ein sonniger Tag liegt vor uns, als wir uns kurz vor zehn Uhr am Bahnhof in Querfurt treffen. Das Wiedersehen ist sehr herzlich, die Freude auf die gemeinsame Zeit des Pilgerns groß. Wir zählen 25 Pilger und Christian Vornewald, der uns wie immer als Pilgerpfarrer begleitet. Er begrüßt uns mit einem Gebet. Und er weiß sie noch, die Namen eines jeden anwesenden Pilgers. Die jüngste Pilgerin zählt 11 Jahre. So liegen zwischen den Jüngsten und Ältesten 6 Jahrzehnte, eine bunte Mischung.

Wir bahnen uns den Weg durch Querfurt entlang der Stadtmauer, die uns an der Burganlage vorbeiführt, einen steilen Weg aufwärts, um hiernach die vor uns liegenden Kilometer zwischen frisch gepflügten oder noch in den Anfängen steckenden Saaten entlang zu pilgern. Aufgrund des langen Winters stehen die Bäume und Sträucher noch ohne ihr üppiges Blattwerk am Wegesrand. Bei genauerer Betrachtung kann man die Knospen mit ihren grünen Spitzen sehen.

Der Wind weht uns um die Nasen und die Sonne breitet ihr warmes Gewandt über uns aus. Ein paar Wolken ziehen am Himmel vorüber. Die Boten des Frühlings, gerade aus dem Süden eingetroffen, begleiten unser Pilgern mit ihren Liedern. Nach wenigen Kilometern verstaue ich meine Jacke im Rucksack. Andere tun es mir gleich.

Die Gemeinschaft ist offen und so frei im Denken, dass es immer wieder eine Möglichkeit gibt, interessante Gespräche zu führen. Außerhalb vom alltäglichen Leben und Wirken ist dies eine wunderbare Erfahrung. Als Pilger sind wir eine Einheit, und welche Rolle der Einzelne in seinem Leben einnimmt, ist für diese Zeit nicht wichtig. So genießen wir das Zusammensein.

Vor meinen Augen breitet sich eine unendlich scheinende Weite aus. Der Weg führt oft einfach nur gerade aus. Ein kurzer Blick zurück und ich kann noch einmal die Burg mit ihrem markanten Turm sehen, bevor Querfurt hinter einem Hügel verschwindet. Der Weg ist für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung mit den riesigen und schweren Maschinen mit zwei auseinanderliegenden Betonstreifen befestigt. Ein solcher Gigant in Orange kreuzt später noch unseren Weg. Ein anderes Stück führt auf grasbewachsenem Untergrund entlang. Der Gegensatz ist spürbar. Auf dieser weichen grünen Grasmatte lässt es sich angenehmer laufen. Wir machen mitten im Nirgendwo zwischen den Feldern eine kurze Rast, um dann nach weiteren 3-4 km unsere Mittagspause auf dem Dorfplatz von Barnstädt zu genießen. Der angrenzende Löschwasserteich des Dorfes wird gerade restauriert. Ein schöner Platz zum Verweilen und so lassen wir unsere leicht müden Glieder nieder, setzen uns ins Gras und holen unsere mitgebrachten Leckereien aus dem Rucksack.

Eine Gedenkstätte für die Opfer des 2. Weltkrieges lässt uns inne halten. Diese vielen Männer, Väter und Söhne, die dieser Ort betrauern musste. Eine Friedenstaube ziert das Denkmal. Wie wichtig der Frieden für die Menschen ist, führt uns gerade das Kriegsgeschehen in Syrien vor Augen. Wir beten für die Menschen dort. Christian findet wie immer Worte, die mich tief berühren. Die Friedenstaube vor sich, spricht er über das Wirken Jesu und zitiert ihn: „Frieden hinterlasse ich euch! Meinen Frieden gebe ich euch!“ Und so ist Pilgern auch immer ein Stück zu sich selbst zu finden, Frieden finden.

Der Weg führt uns weiter durch Feld und Flur. Die Wegbeschaffenheit ändert sich kaum. Immer geradeaus, mal etwas leicht aufwärts, dann wieder leicht abwärts, stets doch gerade aus. Wir passieren Oechlitz. Ein kleiner beschaulicher Ort. Es ist ruhig, kaum ein Auto auf der Straße. Eine Familie kreuzt unseren Weg und Christian erkundigt sich nach dem weiteren Weg. So erfahren wir von einer Sperrung, welche uns noch vor Mücheln den Ort Schirma durchqueren lässt. Die Sonne hat unsere Gesichter gefärbt, doch wir merken es kaum, da der Wind uns eine frische Prise in die Gesichter weht. Und dann, nach fast 23 Kilometern erhaschen wir den ersten Blick auf die Stadt Mücheln. Wir schauen auf die Stadt herab, die sich im Tal und an den Hängen ausbreitet. Unser Weg führt an einer Gartenanlage bergab entlang. Mit diesem einzigartigen Blick auf die Stadt werden wir belohnt und jeder andere, der die Stadt zu Fuß auf diesem Weg erreicht, ebenso.

Nun ist es nicht mehr weit bis zum Bahnhof. Die Glieder sind müde und die Füße lahm. Ein wunderbarer Tag neigt sich dem Ende und wir verabschieden uns am Bahnhof von Mücheln. Die einen reisen mit dem Zug zurück zum Ausgangspunkt Querfurt, wo ihr Fahrzeug wartet. Andere werden abgeholt.

Wir danken unserem Pilgerpfarrer Christian für seine Vorbereitung, seine Begleitung, seine Andachten, mit denen er immer wieder unsere Herzen tief berührt.

Buen Camino
Eure Jacqueline Windolph


Samstagspilgern - Auftakt 17.03.2018

16.04.2018 Uhr Jacqueline Windolph ndc.windolph@gmail.com

2018-03-17
Pilgerauftakt von Eisleben nach Querfurt

Der Schnee rieselt lautlos vom eisigen Wind begleitet hernieder. Seit Freitag ist eine ordentliche Menge herabgekommen und bedeckt Häuser, Straßen, Wiesen und Wälder. In freier Flur ein wunderbarer Anblick. Die Sonne findet an diesem ersten Pilgersamstag bei minus 5 Grad Celsius keine Lücke durch die schneeträchtigen Wolken. Vor den Häusern kann man die Menschen Schnee räumen sehen, um die Wege wieder passierbar zu machen. Nicht jeden freut dieser späte Wintereinbruch. Doch als Pilger will ich mich davon nicht beeindrucken lassen. Schließlich liegt die letzte Pilgertour schon ein halbes Jahr zurück und viel zu sehr habe ich mich auf diese erste Pilgeretappe von Eisleben nach Querfurt gefreut, als mich von dem vermutlich letzten winterlichen Schub beeindrucken zu lassen.

Treffpunkt soll der Bahnhof in Eisleben sein. Also starten wir mit dem Auto rechtzeitig von daheim.

Die Straßen sind nicht beräumt und schon an der ersten Ampel braucht es einige Anläufe, um dass Auto auf glatter sich aufwärts streckender Straße, wieder in Fahrt zu kommen. Während mein Mann das Fahrzeug mit der gebotenen Achtsamkeit führt, genieße ich den Blick nach draußen auf die mit Schnee bedeckten Felder. Der Wind weht den Schnee vor uns her, von einer Seite der Straße auf die andere, sodass sich dort, wo der Schnee zum Liegen kommt, Anhöhen aus diesem feinen weißen Schneestaub bilden.

Bei Ankunft auf dem neu sanierten und schön gestalteten Bahnhofsgelände, waren wir nicht allein. Einige gestrandete Reisende warteten auf verspätete Züge. Manche Züge hatten mehr als 30 Minuten Verspätung andere wurden gestrichen. So auch der Zug aus Halle, der eine Pilgerfreundin nach Eisleben bringen sollte.

Vermutlich haben zu diesem Zeitpunkt die meisten Menschen und Pilger schon auf eine wärmende Sonne gehofft, die uns bei 15 Grad auf unserer ersten Etappe 2018 begleitet und den Tag verschönt.

Während wir auf unseren Pilgerpfarrer Christian Vornewald aus Blankenburg warten, schaue ich immer wieder nach draußen, ob sich nicht doch noch andere Pilgerfreunde am Bahnhof eingefunden haben. Und tatsächlich stoße ich auf zwei Damen, welche sich mit uns zu ihrer ersten Pilgertour aufmachen wollen. Pfarrer Vornewald in Begleitung eines weiteren Pilgers betritt das Bahnhofsgebäude. Wir begrüßen einander und beschließen noch auf die verspäteten Züge zu warten, in den vielleicht noch weitere Pilgerfreunde zu uns stoßen würden.

Aufgrund der Wetterlage beschließen wir, die heutige Etappe recht kurz zu halten und nur bis zum Kloster Helfta zu laufen. Was wäre es schön gewesen, auch noch ein Stück weiter durch die weite verschneite Flur zu pilgern. Doch die Temperaturen, nicht freigeräumte und einsehbare Wege bergen ein Risiko, welches wir nicht eingehen möchten. Aber auch die teilweise nicht beräumten Fußwege und Straßen lassen unsere Schritte das ein oder andere Mal entgleiten, was in einem Falle auch zu einem Sturz führte, welcher einen „Brummschädel“ zur Folge hatte, da unsere Pilgerfreund auf den Hintern und dann mit den Kopf auf der mit Eis überfrorenen Straße aufschlug.

Unser Weg führte durch die Straßen eines Wohngebietes von Eisleben, verlief später parallel zur Hauptverkehrsstraße, bevor wir den Ortsteil Helfta betraten. Das Gehen war schwierig, da nicht alle Wege beräumt waren und der Schnee sich dort beträchtlich aufgetürmt hatte. Der Wind blies uns nicht nur frische Luft, sondern auch jede Menge Schneeflocken ins Gesicht. Wir gingen langsam und die Kälte kroch langsam durch die Handschuhe in meine Hände. Ich hakte mich bei meinen Pilgerfreund ein, da sich seine Schuhe auf dem zu begehenden Untergrund nicht bewährt hatten und um einen erneuten Sturz zu vermeiden.

Wir redeten oder liefen schweigend nebeneinander, oft auch hintereinander her. Das Schweigen während des Laufens ist ein Genuss. Hier finden Gedanken ihren Zugang, die sonst in unserem schnelllebigen Alltag keinen Platz haben. Für einen kurzen Moment in sich zu gehen, ist Erholung für den Geist. Auch das ist neben der Bewegung, den Begegnungen und Gesprächen etwas Besonderes am Pilgern.

Nach knapp 3km und etwa eine Stunde später erreichten wir das Kloster Helfta. Auch das Kloster lag eingehüllt in einer weißen Pracht. Wir betraten die Kirche, setzten uns im hinteren Teil und Christan stimmte ein Lied an. Der Klang in diesen Räumlichkeiten ist immer wieder beeindruckend.
In seiner kleinen Andacht sprach er über Gottes Liebe und Vertrauen, den Blick auf das Jesuskreuz gegenüber dem Eingang gerichtet. Wir sangen noch einmal gemeinsam bevor wir einen kleinen Raum im Kloster zur Verfügung gestellt bekamen, um uns mit den mitgebrachten Getränken und Broten zu stärken. Auch hier fand sich Zeit für nette Gespräche. Und so beendeten wir unseren ersten Pilgersamstag zur Mittagszeit.

So kurz und doch so wunderbar. Pilgern ist auch immer eine Überraschung, denn zu Beginn ist offen, wie der Tag enden wird. In diesem Sinne freue ich mich auf weitere spannende Momente des Samstagspilgerns durch Sachsen-Anhalt.

Buen Camino
Eure Jacqueline Windolph


Beschilderung

08.07.2017 Uhr crishan-piper@gmx.de

Liebes Team,

ich war die vergangenen 5 Tage mit meiner JG Pilgern. von Eisleben nach Erfurt. Laut Karte immer wieder den Jakobsweg. Dieser ist so schlecht Ausgeschildert! Teilweise haben wir Wege gar nicht gefunden, sehr schade. Auf das Gefühl aus Spanien durch LKW´s abgedrengt zu werden, hätten wir gut verzichten können. lG

*** Kommentar:
Lieber Pilger, wir werden das Thema Beschilderung besprechen. Hilfreich ist hier der Wanderführer. Vielen Dank für den Hinweis! Ultreia!


[kein Betreff]

04.08.2015 Uhr staatskanzlei@stk.sachsen-anhalt.de

Pilgern, zumal auf dem Jakobsweg, vereint auf wunderbare Art und Weise das vielgepriesene „Der Weg ist das Ziel“ mit dem, worauf es doch bei jedem Weg und bei jeder Reise letztlich ankommt, dem Erreichen des Ziels. Wer sich auf den Pilgerweg begibt, schätzt das Unterwegssein und weiß doch auch ganz genau, was physisch wie psychisch hinter ihm liegt, wenn das Ziel erreicht wurde. Ein Pilger erreicht das Ziel seiner Pilgerreise stets als ein anderer, ja nahezu verwandelter Mensch.
Diese segensreiche Erfahrung kann auch auf dem Jakobsweg in Sachsen-Anhalt seinen Anfang nehmen. Ich danke allen Engagierten der St. Jakobus Gesellschaft Sachsen-Anhalt dafür, dass sie Wegstrecken kennzeichnen, Türen öffnen und mit Rat und Tat denjenigen zur Seite stehen, die einen Teil oder den ganzen Jakobsweg auf sich nehmen.
Allen Pilgerinnen und Pilgern wünsche ich die nötige Ausdauer, Kraft und Zuversicht und natürlich Gottes Segen auf allen Wegen.

Herzlichst

Ihr
Dr. Reiner Haseloff MdL
Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt


Pilgern ab 60 (10)

03.05.2015 Uhr juergen.adamek@mdcc-fun.de

31. März 2015, 08:30Uhr, Leon. Es war schon ein bewegender Moment. Die letzte Etappe auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela begann. Am Horizont grüßten die schneebedeckten Berge der Cordillera Cantábriea. Wir hatten 20°C bei Sonnenschein. Die Entscheidung, hinter Virgen del Camino für die etwas weitere, aber schönere Wegalternative über Hospital de Órbigo viel uns nicht schwer. Gleich am ersten Tag gab es nette Gespräche mit anderen Pilgern. Besonders bei nordamerikanischen Pilgern ist die Muschel an Renates Halskette wieder aufgefallen. Die hatte sie ja vom Strand in Israel mitgebracht. Wir sollten die Pilger alle am Nachmittag in der Herberge von Tío Pepe wieder treffen. Die Wegalternative wäre übrigens 25,3 km entlang der Nationalstraße 120 gewesen. Da war unser Weg schon schöner, wenn auch nicht aufregend. Die Albergue Verde schon, wo wir am zweiten Tag übernachtet haben. Vorher aber kommt im Ort Hospital de Órbigo diese wunderschöne, lange, alte Römerbrücke über den Fluss Órbigo. In der Albergue gab es ein Wiedersehen mit einigen Pilgern von gestern. Gegessen wurde vegetarisch, aber mit life-Gesang zur Gitarre. Dank eines Pilgers standen neben der Flasche Wasser auch zwei mit Wein. Wer wollte, konnte vor dem Abendessen an einer Stunde Yoga mit dem Herbergsvater teilnehmen. Nach Murias de Rechivaldo geht der Weg bergauf und bergab. Es war schon etwas Training für das, was da noch kommen sollte. Kurz vor Astorga kommt dann das mächtige Wegkreuz von Santo Toribio. Von hier oben hat man einen herrlichen Blick auf die Berge im Hintergrund und auf Astorga unten mit der schönen Kathedrale. Die haben wir uns natürlich angesehen, sind dann aber noch etwas weiter gelaufen, bis nach Murias de Rechivaldo. Das Wetter wurde immer wärmer. Wir haben es uns nicht nehmen lassen, den kleinen Umweg über Castrillo de los Polvozares zu laufen. Vor ein paar Jahren restauriert, die Gebäude, die Straßen, alles aus rotem Naturstein, hat es von uns den Namen „Das Rote Dorf“ bekommen. Wieder auf dem Jakobsweg haben uns langsam Cemalah und Viera aus Hawaii überholt. Cemalah mit Sonnenschirm, eben eine Frau aus Hawaii und Viera mit unterknie langem dunklen Rock, schwarzen Strümpfen und den derben Wanderschuhen, eher nordamerikanisch aussehend, gaben sie beide ein süßes Bild ab. Wir hatten ein nettes Gespräch. Die Gegend hier ist die Maragatería, unfruchtbar, eher ärmlich. Für den Pilger ist sie landschaftlich aber angenehm, sie ist wellig und oft kommt Wald dazu. Rabanal del Camino war heute unser Ziel. Wieder solch ein uriger Ort. Das alte Kirchlein und das Benediktinerkloster, in dem man auch übernachten kann, runden das Bild ab.Der Tag nach El Acebo versprach besonders zu werden. Zum einen hatten wir mit 1.517m den höchsten Punkt auf dem Weg für uns persönlich erreicht. War aber nicht so schwer zu laufen. Dann kam bald der Ruinen-Ort Foncebadón. Wir waren vor 8 Jahren auf einer Reise durch Spanien schon einmal hier. Damals gab es kaum Leben hier, fast alles war zerfallen. Heute gibt es wieder einige neue Häuser. Ein paar Kilometer weiter kam dann ein Platz, den wahrscheinlich alle kennen, die schon mal was vom Jakobsweg gehört haben - das Cruz de Ferro. Über dem gewaltigen Steinhaufen erhebt sich an einem Stamm das Eisenkreuz. Viele Pilger, wir auch, legten hier einen von zu Hause mitgebrachten Stein ab, mit dem sie ihre Sorgen hier lassen wollen. Noch ein paar km weiter kommt an der Straße die einfache Hütte mit dem auffälligen Drumherum. Tomás und seine Freunde hatten sich vor einiger Zeit hier niedergelassen. Hape Kerkeling´s Begeisterung in seinem Buch zu diesem Ort und seinen Bewohnern hatte sich in Grenzen gehalten. Dann war bald El Acebo erreicht. Der Weg heute nach Ponferrada hatte es in sich. Man muss ja von den 1.517m wieder runterkommen. Es geht also fast immer bergab. Die Zehenspitzen stoßen vorn gegen den Schuh. Der Weg war über lange Strecken sehr steinig, teilweise felsig, wobei die Landschaft sehr schön ist. Wir hatten uns für diesen Tag nur 16km vorgenommen und waren froh, als wir in Ponferrada angekommen waren. Als „Pflichtprogramm“ stand jetzt nur noch der Besuch der Templerburg an (hat sich gelohnt). Das Pilgermenü haben wir, immer noch bei Sonnenschein, auf einem größeren Platz im Zentrum genommen, wo gefühlt halb Ponferrada und -zig Pilger versammelt waren. Weiter bei Sonnenschein und wenig auf und ab durften es nach Villafranca de Bierzo auch mal knapp 25km sein. Es war wohl in Cacabelos, auf einmal waren wir mitten in einer großen Osterprozession. Angeführt von vielleicht 20, mit langen weißen Umhängen gekleideten Frauen folgte dann die getragene Statue der heiligen Maria. Die vielleicht ebenfalls 20 Männer, die sie trugen, gingen in langsamen, zur Seite schwankenden Schritten zu der lauten aber getragenen Musik der Kapelle. Danach kamen mehrere hundert Einwohner nicht nur aus diesem Ort. Für uns war es eine neue Erfahrung, es war schon beeindruckend anzusehen. Am späten Nachmittag war Villafranca de Bierzo erreicht. Am nächsten Tag hatten wir den Weg an der Straße gewählt. Es war nervig, wie Hape schrieb, aber zügig. Der Jakobsweg neben der Straße ist durch eine 80cm hohe Betonabgrenzung gesichert, schöner macht es ihn nicht. Fast die gesamte Tagesetappe ging über Straßen. Ruitelán, unser Tagesziel, liegt in einem Tal. Bei einem Spaziergang vor dem Abendessen hatten wir ein besonderes Erlebnis. Von der gegenüberliegenden Hangseite ertönte langgezogenes Wolfsgeheul. Ein zweiter fiel ein. Tagsüber werden sie hoffentlich schlafen! Die Herbergsväter, zwei Buddhisten darauf angesprochen, lächelten vielsagend. Wir bleiben dabei, es waren Wölfe! Auch weil wir gerade nach unserer Rückkehr im TV Wölfe gesehen und gehört haben. Heute sollte lt. Hape das härteste Stück des gesamten Jakobsweges kommen (mal abgesehen vom Napoleon Weg über die Pyrenäen). Er hatte sogar seinen Rucksack mit dem Auto fahren lassen. Wir nicht! Und es wurde ein hartes Stück Weg. Immer wieder starke Anstiege bei schlechtem Wegezustand. Als wir endlich auf ca. 1.300m in O Cebreiro angekommen waren, haben wir uns gegenseitig auf die Schultern geklopft. In diesem urwüchsigen kleinen Ort steht die schöne kleine Iglesia Santa Maria aus vorromanischer Zeit. Leise Musik war drinnen zu hören. Nach der Eunate bei Puente la Reina die zweite sehr bemerkenswerte Kirche unter den „Kleinen“. Jetzt waren wir in Galicien und es waren nur noch 3,5km bis zu unserer Albergue auf dem Alto do Poie. Galicien ist viel grüner als das Gebiet vorher. Es regnet dafür auch öfters. Petrus aber hatte es bisher gut mit uns gemeint, es blieb weiter trocken. Meist auf Schotterpisten ging es heute 700m Höhenmeter bergab. Da merkt man, dass die Knie nicht mehr die neuesten sind. In Tricastela angekommen, war erst einmal ausruhen angesagt. In dieser Nacht hatten wir den ersten Regen. Nach 8:00Uhr morgens blieb es trocken. Was wollten wir mehr. Nach einer Stunde trafen wir Igor aus Belorussland, wie er selbst sagte, also Weißrussland, wie wir sagen. Ein kräftiger, netter Mann um die 60 Jahre, der den Jakobsweg in Pamplona begonnen hatte. Schade, dass wir uns nicht verständigen konnten. So haben wir wenigstens gegenseitig die Fotos von uns. Sarria war am frühen Nachmittag erreicht. Die hohe alte Treppe im Stadtkern ist bemerkenswert. In Sarria beginnt ein Viertel aller Pilger den Jakobsweg, weil es etwa die Mindestentfernung von 100km ist, um die Compostela zu erhalten. Diesen Weg deshalb hier zu beginnen, da kann jeder darüber denken wie er will. Wir sind an diesem Tag noch 4km weiter bis Vilei gelaufen. Nach Portomarin ließ es sich gut laufen heute. Schöne Landschaften und kleine Orte wechselten sich ab. Oft war eine Bar am Weg. Viele „Sarria-Pilger“ waren unterwegs. Die neuen Schuhe lassen sie erkennen. Meist in Gruppen und rund die Hälfte nur mit Tagesrucksäcken ausgerüstet machen sie mehr den Eindruck von Spaziergängern. Schade, ein bisschen geht die Würde des Weges verloren. 24,4km sollten es nach Palas de Rei werden. Unterwegs haben wir den 3.000sten km seit Magdeburg für uns verbuchen können. Und dies wieder bei schönem Wetter und noch schönerer Landschaft. Der nächste Tag ging nach Castañeda. Immer häufiger kamen wir jetzt auf Waldwegen durch Eukalyptuswälder. Am Ende des kleinen Örtchens Leboreiro steht rechts eine kleine romanische Kirche. Alte Wandmalereien sind noch zu sehen. Aus dem Dorf hinaus führt ein mit alten Steinplatten belegter Weg, der auf beiden Seiten durch Steinwälle eingefasst ist. Am Ende eine schöne alte Brücke. Insgesamt ein Bild wie aus einem Bilderbuch. Durch die größere Stadt Melide sind wir nur durchgelaufen. Marine aus New York haben wir unterwegs und bei einer Rast zum wiederholten Mal getroffen. Eine junge Frau um die 40. Eigentlich wollten wir die restlichen 48km in zwei Tagen laufen. Dann wären wir am Donnerstag in Santiago angekommen. Gestern Abend sagte unser Herbergsvater, dass nur freitags zur Pilgermesse das Weihrauchfass, der Botafumeiro geschwenkt wird. Also haben wir drei Tagesetappen daraus gemacht. Am frühen Nachmittag waren wir in A Calceda. Der Weg nach Lavacolla war mit 20km eine ganz normale Strecke für uns. Landschaftlich war es wie die Tage zuvor. Da war er nun, der Tag an dem wir unser großes Ziel erreichen sollten, Santiago de Compostela. Petrus ließ es leicht regnen. Gegen 13:30Uhr waren die Türme der Kathedrale zu sehen. Ein paar Minuten später standen wir vor dem Westportal der Kathedrale. Auch wenn zuerst der Weg das Ziel war, dies war der Höhepunkt, seit dem wir vor 4 Jahren den Jakobsweg begonnen hatten. Bei Jakobus über dem Hochaltar bedankten wir uns für die stille Begleitung über die gesamte Zeit. Jetzt führte der Weg zum Pilgerbüro. Bei dem Stempel-Nachweis in den Credencials gab es keine Probleme für die Compostela und für die „Distanz-Urkunde“. Die Pilgermesse am nächsten Tag um 12:00Uhr war bewegend auch wenn wir sie nicht verstanden haben. Zu den angesprochenen Pilgern aus Alemania durften wir uns dazuzählen. Marine saß gleich hinter uns. Das Unwichtigste würde sicher zum Schluss kommen, das Weihrauchfass. Es kam nicht, es fiel aus. Wir fuhren anschließend nach Finisterre zur letzten symbolischen Handlung. Unterhalb des Leuchtturmes wurde die rote Mütze von Renate und von Jürgen ein Hemd, eine Hose und ein paar Socken verbrannt.
Fazit: Es war eine Herausforderung und eine wunderbare Erfahrung. Durch Deutschland waren wir allein unterwegs. In Frankreich haben wir die ersten Pilger getroffen. In Spanien hat uns der Jakobsweg voll aufgenommen. Viele schöne Begegnungen auf dem Weg, in den Unterkünften und mit Pilgern aus aller Welt haben unser Leben bereichert. Oft hatten wir Gelegenheit über uns und vieles andere zu reden und nachzudenken. Diesen Weg zu gehen war mit Sicherheit eine der besten Entscheidungen, die wir seit langer Zeit getroffen hatten.


Pilgern ab 60 (9)

27.03.2015 Uhr juergen.adamek@mdcc-fun.de

Liebe Pilgergemeinde,
morgen früh (am 28.03.), um 04:30 Uhr starten wir zur letzten Etappe auf unserem Jakobsweg von Magdeburg nach Santiago de Compostela. Am 31.03. werden wir dann in Leon die Rucksäcke aufsetzen und los geht es. Bitte drückt uns die Daumen, dass auch dieser Abschnitt wieder ein erfüllter Teil unserer langen Pilgertour wird. Zurück in Magdeburg melden wir uns wieder.
Viele Grüße von Renate und Jürgen


Pilgern von Brandenburg an der Havel bis Naumburg

20.03.2015 Uhr strutzberg110@gmx.de

Der St. Jakobus-Gesellschaft Sachsen-Anhalt sage ich vielen Dank für die Pflege des Pilgerweges, die Wegbeschreibung und die guten Segenswünsche für den Weg.
Ich bin am 02.03.15 den Pilgerweg von Brandenburg bis Naumburg in 15 Etappen gelaufen. Der Weg - es war wirklich toll. Ich habe viele freundliche, hilfsbereite und rücksichtsvolle Menschen getroffen und konnte mich an der vielfältigen Landschaft von Sachsen-Anhalt erfreuen.
Die erste Auftaktübernachtung im Kloster Jerichow war für mich ein toller Start. Was bleibt sind ganz viele neue Gedanken und Erkenntnisse und das 'nur durch Pilgern'.


Taufe

09.02.2015 Uhr edel.andreas@gmail.com

Zum 10järigen Taufjubiläum meinen herzlichen Glückwunsch.Dann kann es ja gut sein, dass ich einer der ersten Pilger war der vor zehn Jahren in Hettstedt einen der ersten Stempel in seinen Pilgerpaß geholt hat.Inzwischen sid es über 500 Stempel an denen ich nachvollziehen kann wohin mich meine Suche alles geführt hat.Die Suche nach ?? macht nicht müde, darum bin ich immer munter unterwegs zu dem der schon da ist, egal wohin aber immer mit, dem der von sich sagt 'Ich bin der Weg',Jesus Christus. Für die Zeit, Mühen und Gebete danke ich allen Organisatoren, Verantwortlichen und Pilgern herzlich und wünsche Gottes Schutz, Beistand und Segen. BUEN CAMINO


Pilgern ab 60 (8)

11.11.2014 Uhr Renate und Jürgen juergen.adamek@mdcc-fun.de

Die lange Sommerpause war vorbei. Am 28.09.2014 standen wir wieder auf dem Jakobsweg am Stadtrand von Pamplona. Vor uns Pilger, hinter uns Pilger. Man sah, wir waren jetzt auf dem Camino Francés. Heute wollten wir noch einen unserer Lieblingsorte erreichen, Puente la Reina mit seiner schönen, alten Brücke. Doch erst einmal kam ein Anstieg von über 300 Höhenmetern hoch auf den Puerto del Perdon. Oben auf dem Bergkamm steht eine lange Reihe von Windkraftanlagen. Gleich daneben eine Reihe schöner Pilgerskulpturen aus Stahlblech. Das war gut für´s Foto. Dahinter geht es brutal steil eine Geröllstrecke hinab. Es gab schon eine Reihe von Unfällen hier, gut das wir die Trekkingstöcke hatten. In Muruzábal haben wir doch den Umweg zur Iglesia de Santa Maria de Eunate, einer achteckigen Kapelle aus der Templerzeit gemacht. Sie war sogar geöffnet. Der Raum war erfüllt von leiser Musik, welche zusammen mit der wundervollen Ausstrahlung zu einer tiefen, inneren Ruhe führt. Einer Pilgerin liefen Tränen über die Wangen. Wir haben es uns auch nicht nehmen lassen, den Weg um die kleine Kirche, der mit flachen Flußsteinen hochkant befestigt ist, wie empfohlen einmal rings herum barfuß zu laufen. Das Gefühl unter den Füßen war schon irre, doch der Schmerz überdeckte andere Gefühle. Bald waren dann Obanos und Puente la Reina erreicht. Die Brücke sollten wir erst morgen sehen. Es ist die eine lange Straße mit ihren alten Gebäuden, die diesen Ort prägen. Am Ende kommt die berühmte Brücke. Ein netter, älterer Spanier ließ sich gerne in Nahaufnahme auf der Brücke fotografieren, es war ein schöner Tagesanfang. Insgesamt war diese Tour sehr von netten Bekanntschaften geprägt. Immer wieder wird man gefragt: Woher kommt ihr? Wo seit ihr gestartet? Bis wohin wollt ihr, usw. Am Nachmittag hatten wir Estella erreicht. Zum ersten Mal aßen wir am Abend das typische Pilgermenü. Man kann zwischen bis zu 5 Vorspeisen, bis zu 5 Hauptgerichten und einigen Nachspeisen wählen. Dazu gibt es Wasser, eine Flasche Wein zu zweit oder auch zu viert Am nächsten Morgen, eine halbe Stunde nach unserem Start, eine Pilgeransammlung an einer Gebäudewand. Richtig, das war die kostenlose Weinquelle an der Hauswand einer Weinkellerei. Es gab doch wirklich Pilger, die aus dem Hahn ihre Flaschen abfüllten. Wir nahmen den obligatorischen Schluck. Unterwegs fingen die Weinberge mit den reifen Trauben an. Da langt man natürlich hin. Bei schönem Wetter liefen wir durch eine tolle Landschaft bis Los Arcos. Danach kamen wir zum ersten Mal an einer Ansammlung von Steintürmchen vorbei, welche Pilger aus runden Feldsteinen übereinander geschichtet hatten. Es sollten in den nächsten Tagen noch mehr werden. Beim Abendessen hatten wir Matt und Marsha aus dem US-Staat Washington kennen gelernt. Matt, ein typischer USA-Amerikaner fragte gleich Jeden nach seinem Vornamen und nannte auch gleich seinen und seiner Frau Marsha. Er half uns ein paar Tage später bei einer Übernachtung, als er das letzte DZ nicht nahm und dafür eine Übernachtung mit zwei Schlafzimmern reservierte. Für Logrono hatten wir leider keine Zeit, für Maria kurz davor schon. Sie ist mit ihrem kleinen Tisch unter einem Feigenbaum am Weg schon fast eine Institution, weil man sich bei ihr den Tagesstempel holen kann. Etwa hier ist auch die Grenze zwischen Navarra und La Rioja. Bei Logrono gibt es die Burg von Clavijo. Der Legende nach war eine Schlacht gegen die Mauren schon fast verloren, als ein Ritter auf einem weißen Pferd eingriff und zum Sieg führte. Es soll der Apostel Santiago gewesen sein. Abends in Navaretta haben wir dann auch Matt und Marsha wiedergesehen. Dazu Jill, geboren in Kanada, ehemals Pilotin bei der KLM, lebt sie jetzt in Toulouse. Das Wetter am nächsten Tag war wieder schön. Um 22°C, trocken, also ideal zum Laufen. Der Weg war gut und wenig Auf und Ab. Bald hinter Navaretta liegt ein Friedhof dessen Eingangsportale vom ehemaligen Pilgerhospital San Juan de Acre stammen. Die Kapitelle an den Säulen geben Bilder aus dem Pilgerleben wieder. So werden einem Pilger die Haare gewaschen, andere speisen zusammen. Wir waren früh in Najera. Jetzt war Zeit, den Ort anzusehen. Auf der anderen Seite des Rio Najerilla lag die Altstadt mit dem Kloster. Das Kloster Santa María la Real, mitten in der Stadt, ist ein wuchtiges Gebäude, fast einer Burg gleich. Die Kirche innen ist übervoll mit Gold geschmückt. Das ist sicher Geschmacksache, zumal wenn man bedenkt, woher das Gold kam. Der Kreuzgang mit seinen filigranen Arbeiten ist sehr sehenswert. Am nächsten Tag auf dem Weg nach Santo Domingo de la Calzada wurde es richtig warm. Bei vollem Sonnenschein waren es gefühlt um die 30°C. Mit knapp 23 km und einigen heftigen An- und Abstiegen hatten wir deftiges Stück Weg zu bewältigen. Unterwegs sprachen uns Keith und Susan aus Neuseeland an. Beide ehemals Anwälte und jetzt in Pension. Wir sollten sie jeden Tag wiedersehen. Santo Domingo de la Calzada ist wieder ein solch besonders schöner Ort auf dem Jakobsweg. In der Kathedrale leben auch heute noch zwei weiße Hühner in einigen Metern Höhe hinter einem Gitter. Hierzu gibt es eine Sage über ein Wunder, aber dies würde zu viel Platz hier beanspruchen. Beim Abendessen hatten wir zufällig Keith und Susan wieder getroffen. Sie erzählten von Wellington, wo sie leben und von ihrem Hobby, alte Bucher zu restaurieren. Auf dem Weg nach Belorado kamen wir mit einem weiteren, sehr symphatischen Paar aus den USA, San Francisco Bay, ins Gespräch. Beide sahen wir jetzt jeden Tag bis Leon. Es waren Chisoon und Young, in Süd-Korea geboren und jetzt schon lange in den USA eingebürgert. Es muß in Viloria gewesen sein. Das Tor der einfachen Herberge stand offen. Der Raum war früher eine Scheune oder so etwas. Heute war links hinten eine Küchenecke und rechts hinten ein langer Tisch. Pilger saßen drum herum. Wir setzten uns mit dazu und bestellten etwas zu trinken und zu essen, alles auf Spendenbasis. Der Geck am Tisch war, aus einem gläsernen Weingefäß mit einer langen, schmalen Tülle Rotwein zu trinken. Dabei wurde die Tülle über den offenen Mund gehalten. Da ging auch schon mal was daneben. Später kamen auch Chisoon und Young herein, aber wir vier haben das lieber nicht probiert. Zum ersten Mal auf dieser Tour hatten wir für den nächsten Tag am Wunschort kein Zimmer bekommen. Also umplanen. Statt 20 km nur 13 km bis Villafranca Montes de Oca. Diese kurze Tour war eigentlich für das Tagesziel Burgos gedacht gewesen. Was soll´s. Ab jetzt haben wir jeden Tag ein bis zwei Tage vorher reservieren lassen. Aber zurück zum Anfang. Lausig kalt war es beim Losgehen. So um die 5°C. Wir waren ja auch auf über 950 m. Dazu scharfer Wind von Süd. Zum Glück konnten wir bei der Ankunft gleich unser Zimmer beziehen. In der Nacht hatte es geregnet. Alles war noch naß. Wie gestern, scharfer Wind von Süd. Doch es blieb trocken am Tag. Noch im Ort begann ein steiler Geröllanstieg. Es sollte noch bis auf 1150m gehen. Das war das zweite Mal auf dieser Tour, dass wir richtig geflucht haben. Nach 12 km war San Juan de Ortega erreicht, der Ort, indem wir eigentlich übernachten wollten. Ein kleiner Ort mit einer sehr schönen Kirche und Reste eines kleinen Klosters. Der Gründer, San Juan de Ortega, hatte sein Leben der Betreuung der Pilger verschrieben. Gleich neben dem Kloster eine kleine Bar. Die Frontseite lag im Windschatten und dazu in der Sonne, schöner konnte es nicht sein. Um 14:15 kamen wir an der rustikalen Übernachtung „El Palomar“ in Atapuerca an. Vor dem obligatorischen Pilgermenü kam der Gang durch den Ort bis zur Kirche auf einer kleinen Anhöhe. Von hier oben gab es einen wunderbaren Fernblick. Eine Französin in unserem Alter hatte sich zu uns gestellt. Sie schwärmte von einigen Jahren in Deutschland, wo sie in Kirchenkreisen gelebt hat. Besonders Weihnachtslieder hatten es ihr angetan. Langsam senkte sich die Abenddämmerung herab. Aus einer Eingebung heraus begann Renate ihr das Lied “Stille Nacht, Heilige Nacht“ vorzusingen. Ihr „danke“ kam aus tiefem Herzen. Bei Atapuerca wurden übrigens 800 000 Jahre alte menschliche Knochenreste gefunden. Sie gelten als die Ältesten in Europa. Bald hinter Atapuerca ging es recht beschwerlich bergauf. Dazu auch noch auf glattem Kalkboden. Wenn der jetzt naß gewesen wäre, na dannn Prost Mahlzeit. Die Geröllstrecke weiter bergauf war auch nicht von schlechten Eltern. Renate war „begeistert“, Jürgen auch. Das hier oben ist die Hochebene Matagrande. In der Ferne ist jetzt schon Burgos zu erahnen. Sie ist eine der großen Städte auf dem Camino Francés. Besonders die Kathedrale, auch Weltkulturerbe, ist der Hauptanziehungspunkt der Stadt. Also hin und den Stempel für die Credencials geholt. Burgos und die Kathedrale hatten wir uns schon bei unserem letzten Besuch außen und innen angesehen. Für jeden Neuen ist das natürlich ein Muß. In der Nacht und noch heute morgen hatte es geregnet. Aber trocken ging es dann los, wie schön. Nicht lange, dann regnete es wieder, bis Mittag. Heute hatten wir Young unterwegs öfter getroffen. Wir unterhielten uns viel über die Zeit in der DDR. Als gebürtiger Süd-Koreaner aus einem ebenfalls geteilten Land hatte er großes Interesse daran. Erstaunt war er, dass es in der DDR vergleichsweise besser zuging als in Nord-Korea. Nun erreichten wir die Meseta. Eine Hochfläche auf etwa 800 m, die sich bis fast nach Leon hinzieht. Sie ist keinesweg immer flach. Es gibt einige An- und Abstiege mit über 100 m Differenz. Bei Hornillos del Camino gibt es für die Übernachtung einen Geheimtip. El Mulino, also eine Mühle, aber außerhalb. Man wird nach Telefonanruf mit dem Auto abgeholt und am nächsten Tag auch wieder hergebracht. Elisabeth aus der Schweiz wartete an der Kirche ebenfalls auf die Abholung. Wir kamen ins Gespräch. Mal wieder Deutsch zu reden war entspannend. In der Mühle waren dann auch Jill, Chisoon, Young, Keith und Susan. Von ihnen erfuhren wir, dass Marsha ein Magen/Darm-Problem bekommen hatte und mit Matt einige Tage in Burgos bleiben musste. Am nächsten Tag waren wir richtig in der Meseta. Fast baumlos, hier hügelig und die Kornkammer der Gegend. Die Einen sagen, sie ist ein wenig langweilig, andere meinen, hier hat man viel Zeit zum Nachdenken. Eigentlich haben Beide recht. Man hat jedenfalls dazu immer wieder einen wunderschönen Weitblick über die Landschaft. Etwa in der Mitte der Tagestour liegt Hontanas. Ein kleines uriges Örtchen. In der Mitte die Kirche, daneben die Bar. Das Wetter war schön, draußen gab es genügend Stühle und Chisoon, Young und Jill waren auch schon da. Wir bestellten auch zu essen und zu trinken. Es wurde eine richtig schöne Rast. 6 km weiter kommt die sonderbare Ruine des Klosters San Antón. Die Straße führt direkt durch eine Bogenöffnnung der einstigen Nordhalle. Auch dieses Kloster hatte eine große Bedeutung für den Jakobsweg. Es wurde als Pilgerhospital des Sankt-Antonius-Orden gegründet und versorgte lange Zeit die Pilger mit Lebensmitteln. So sind heute noch zwei größerer Nischen in der Wand zu sehen, durch welche die Pilger ihr Essen bekamen. Jetzt jedenfalls gab es weder Bank noch Stuhl noch liegenden Baumstamm, wo der müde Körper sich mal ausruhen konnte. Weiter ging es also bis Castrojeriz, unserem Tagesziel. Leider waren wieder beide Kirchen im Ort geschlossen. Der Anstieg, der 2 km hinter Castrojeriz beginnt, sieht von weitem gewaltig aus. Auf 1,2 km Weg hat man vielleicht 140 m Höhe zu schaffen. Ruhig angegangen ist der breite Weg leichter zu bewältigen als so manch anderer. Ein paar hundert Meter auf dem flachen Tafelberg Alto de Mostelares gelaufen und es geht wieder hinunter. Laut einem Schild da oben mit 18% auf nur 350 m Weg, es mag etwas mehr gewesen sein. Unten am Fuß eine Gedenktafel für einen jungen Pilger. War er auf dem Mountainbike zu leichtsinnig unterwegs gewesen? Wir wissen es nicht. 10 km weiter, in Itero de la Vega, trafen wir Jill zur Mittagspause in einer Bar wieder. Ein Stück weiter, in Boadilla del Camino, in einer sehr schönen Pilgerherberge neben der Kirche und der wirklich sehenswerten Gerichtsäule waren es dann Chisoon und Young. Jetzt waren es noch 6 km, die vor uns lagen. Es ging ein längeres Stück an einem Kanal entlang. Dann waren die 26 km bis Formista geschafft. Die romanische Kirche aus dem 11. Jh. gleich neben unserer Unterkunft wollten wir uns unbedingt noch ansehen. Leider war auch sie geschlossen. Der Weg heute steckte uns doch ganz schön in den Knochen. So beschlossen wir, das Pilgermenü noch in Ruhe zu genießen und den Tag damit abzuschließen. In der Nacht hatte es geregnet. Regen war auch für den Tag angesagt. Also haben wir uns, wie die meisten Pilger, für den sichereren Weg an der Landstraße entschieden. Der sieht neu aus und hatte kaum Pfützen. Bis Villacázar de Sirga, etwa 5 km vor unserem Tagesziel, blieb es trocken. Hier steht auch eine gewaltige ehemalige Templerkirche, die geöffnet war. Die große, offene Vorhalle ist reich mit Verzierungen geschmückt. Die Kirche gehörte zu dem ehemaligen Kloster an dieser Stelle. Gleich daneben eine Einkehr, wo wir die Rucksäcke mal abnehmen und etwas essen konnten. Die Pause dauerte länger als geplant, denn bald fing es stramm an zu regnen. Sobald der Himmel aufriss, ging es weiter. Dann kam die nächste dunkle Wand am Himmel, wieder mit starkem Wind von links und die hat uns voll erwischt. Wir liefen mit Schirm. Über eine Stunde im Regen hat dann aber ab Unterkante Regenjacke alles nass bis auf die Haut gemacht. Das Wasser lief außen an der Hose und innen an den Beinen hinunter, in die Schuhe hinein und mit jedem Schritt an den vorderen Schnürsenkellöchern wieder mit einem Quietschen heraus. Regenhosen und wasserdichte Schuhe wären von Vorteil gewesen. Angekommen im Hostal in Carrion de los Condes hatten wir uns nach altbwährtem Hausrezept alte Zeitungen geben lassen, die warme Heizung tat ihr Übriges und am Abend war das Schlimmste überstanden. Die Meseta pur erwartete uns heute. Aus Carrion de los Condes heraus geht der Weg noch an dem großen Kloster San Zoilo vorbei. Dann erwarteten uns 18 km Weg ohne Orte und Einkehr. Anfangs auf einer schmalen Asphaltstraße, bis hinter einer Kreuzung die alte Römerstraße beginnt. Die Via Aquitana führt schnurgerade etwa 12 km geschottert über eine ebene Landschaft. Man läuft voll in der Sonne. Es gibt unterwegs zwei Rastplätze und sonst nichts. Wenn man Glück hat, ist auf der Hälfte des Weges eine mobile Versorgungsstelle aufgebaut. Heute war Calzadilla de la Cueza unser Tagesziel. Am nächsten Tag ging es nach Sahagún. Obwohl wir fast 24 km hinter uns hatten, war die Strecke leichter zu laufen. Es gab unterwegs einige Orte, in denen wir Rast machen konnten. Chisoon und Young trafen wir auch wieder. Jill läuft jetzt oft mit Agnes aus Kanada, die wir inzwischen ebenfalls näher kennen gelernt hatten. Die Landschaft ist abwechselungsreicher als gestern und gegen 16:00 Uhr waren wir in Sahagún im Hostal Viatoris. Dieser Ort war eigentlich unser Ziel in diesem Herbst. Nur, wir hatten noch 4 Tage übrig! Also beschlossen wir, noch die 60 km bis Leon zu laufen und dort den 4.Tag als Ruhetag einzulegen. Bevor wir aus Sahagún hinausgingen, haben wir uns noch ein wenig die alte Innenstadt angesehen. Sahagun war politisch und religiös in der Vergangenheit sehr bedeutend. Zum Beispiel war das Kloster Abadía de San Benito el Real de Sahagún das bedeutenste Benediktinerkloster Spaniens. Heute sind jedoch nur noch Reste davon erhalten. Oder die Iglesia de San Lorenzo, eine romanische Kirche im spanischen Mudéjar-Sti, also mit maurischen Einflüssen. Sie ist leider nur von Außen anzusehen. Aufgrund der Wettervorhersage hatten wir uns heute für den Hauptweg entschieden. Er geht meist neben einer kleinen, wenig befahrenen Landstraße entlang. Auch sind die Rastmöglichkeiten hier besser. Der feste Kiesweg ist gut zu laufen. Die schnurgerade Baumreihe wird oder wurde über -zig Kilometer künstlich bewässert. Mit uns hatten die meisten Pilger diesen Weg gewählt. Unterwegs haben wir Jill und Agnes wieder getroffen. Agnes war früher Lehrerin und kam extra aus dem mittleren Kanada um den Jakobsweg zu pilgern. Nach 18 km war dann El Burgo Ranero erreicht. Am nächsten Morgen ging es weiter auf dem Kiesweg an der geraden Baumreihe entlang. Der Tag heute hatte es so mit dem Wetter. Der leichte Regen kam fast waagerecht. Die Hosen war nach kurzer Zeit durch und irgendwann auch die Schuhe. Doch noch am Vormittag hörte es auf zu regnen. Der Wind blies wieder mit gefühlter Windstärke 8 bis 9. Das hatte zumindest den Vorteil, dass die Hosen nach einer Stunde komplett trocken waren, und die Schuhe nach 3 Stunden auch. Nach 12,5 km kam Reliegos, der einzige Ort auf dem Weg heute. Die Pause tat gut. Dann war bald Mansilla de los Mulos errreicht. Ein bedeutender, jetzt kleiner Ort mit 5 Kirchen und ehemals 3 Pilgerhospizen. In der Aubergueria del Camino waren auch Agnes, Chisoon und Young untergekommen. Am Morgen danach, nach dem Frühstück, gab es eine rührige Verabschiedung, Chisoon und Young beendeten am nächsten Tag in Leon ihren Jakobsweg. Sie waren den nachfolgenden Teil bis Santiago de Compostela schon im letzten Jahr gelaufen und fuhren ab Leon zurück in die USA. Unsere Übernachtungen in Leon lagen zu weit auseinander, als dass wir uns dort sehen würden. Chisoon nahm Renate in die Arme und schenkte ihr eine kleine Zierkalebasse, die sie in Santo Domingo de la Calzada für sich gekauft hatte. Renate wiederum wusste, dass Chisoon die Halsbänder mit den kleinen Muscheln, die Renate trug, so mochte. Renate nahm das Halsband mit einer Muschel aus Israel, welches sie gerade trug und legte es Chisoon um. Es war von allen Seiten eine herzliche Verabschiedung. Wir brachen dann zusammen mit Agnes auf, um aus dem Ort hinaus zu laufen. Obwohl sie schneller war als wir, wartete sie immer wieder auf uns. In Arcahueja hatten wir zu Mittag zusammen eine größere Rast. Dann war auch für uns die Zeit für den Abschied gekommen. Etwa hier haben wir auch die Meseta hinter uns gelassen und hatten jetzt noch den Weg nach Leon vor uns. Ein freier Tag für León lag vor uns. Wir konnten uns für die Höhepunkte dieser Stadt richtig Zeit nehmen. Die Altstadt ist etwas für Fußgänger. Entweder verkehrsberuhigt oder sogar ganz ohne Fahrzeuge. Überall noch die alten Gebäude. Dann kam der Platz mit der Kathedrale. Sofort waren die Bilder von unserem letzten Besuch hier wieder im Kopf. Nur hatten wir damals keine Zeit hinein zu gehen. Dafür war jetzt genug Zeit und die hat sich gelohnt. Reine Gotik im schlichten Stil und ohne das überbordene Gold anderer großer Kirchen. Das tat gut. Auch heute noch ist sie für uns die schönste Kathedrale Spaniens. Man könnte noch viele Bauwerke erwähnen. Neben der Kathedrale war für uns aber die Real Basilica de San Isidoro mit dem angrenzenden Panteón Real das zweitwichtigste Bauwerk Leóns. Insbesondere das Letzte besticht mit noch originaler und kraftvoller Deckenmalerei aus dem 12. Jh. Dazu kommen eine gößere Anzahl von bedeutenden Reliquien des Heiligen Isidor, die hier zu sehen sind. Inzwischen war es fast Abend geworden. Die Füße waren müde, der Magen fragte nach dem Pilgermenü und anschließend der gesamte Körper nach einer Ruhezeit. Nach 410 km kam nun am nächsten Tag die Rückfahrt nach Pamplona.
Viele Grüße von Renate und Jürgen


[kein Betreff]

23.06.2014 Uhr alex

Ich werde mitte juni von brandenburg havel über magdeburg nach halberstadt auf dem jakobsweg und von dort nach wernigerode auf die via romea nach nordhausen pilgern. Mit im gepäck habe ich markierungssticker des jerusalemway prohekts, das sich zur aufgabe gemacht hat alle wege die nach rom santiago oder jerusalem führen, zu markieren. Für dieweniger gzt bgeschildert en etappen kann man also ab mitte bzw ende Juli den stickern mit dem rot-weiß-rot gestreiften untergrund und der blauen taube/der 'jerusalemway' aufschrift folgen. Utreia! :)

Empfehlenswerte Literatur: 

wanderführer
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