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St. Jakobus Pilgerweg Sachsen-Anhalt

 

Gästebuch

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Pilgern ab 60 (7)

21.06.2014 Uhr Renate und Jürgen juergen.adamek@mdcc-fun.de

Es ist gerade einmal 4 Wochen her, als wir den Jakobsweg im April hier in Mont-de-Marsan beendet hatten. Jetzt ging es weiter. Gleich hinter Mont-de-Marsan haben wir Walter, 51J., getroffen. Ein Deutscher, der jetzt in Belgien lebt, hatte sich von Beruf und Ehefrau 3 Monate Auszeit genommen und pilgerte den Jakobsweg von der Haustür bis nach Santiago de Compostela. Bis zur Mittagszeit liefen wir gemeinsam. Als die Temperaturen die 25°C überstiegen, haben wir dann doch eine Pause mehr eingelegt als er, zumal Renates rechtes Knie Probleme machte. In Saint-Server angekommen beeindruckte uns besonders die ehemalige Benediktinerabtei, wo heute, zum Glück für den Erhalt, die Stadtverwaltung untergebracht
ist.
Am nächsten Tag ging es nach Hagetmau. Das Wetter hatte über Nacht von Wärme auf Regen umgeschaltet. Es war aber ein milder und leichter Regen. Wir kamen gut voran. Kurz vor Hagetmau dann ein kurzer Halt an dem schönen Steinkreuz an Stelle des ehemaligen Pilgerhospitals. In Hagetmau gab es auch ein Wiedersehen mit Walter. Wir saßen lange zusammen in einem kleinen Restaurant. Am nächste Morgen ging es früh los. Denn die geplante und einzige Übernachtungsmöglichkeit für heute in Sault-de-Navailles war geschlossen. Also mussten wir zwei Tagesetappen laufen. Bis Mittag lief es gut. Dann kam die Stunde, als das Gewitter kam. Mit Platzregen schräg von rechts, Blitze, zum Glück etwas weiter entfernt. Nach einer Stunde war alles vorbei und die Luft ganz klar. Oben, am Friedhof bei Sallespisse sahen wir zum ersten Mal in der Ferne die Pyrenäen - welch ein Moment. Schon nach wenigen Kilometern erschienen sie immer größer. Gegen 18:00 Uhr hatten wir Orthes erreicht. Es war doch ein recht langer Tag auf dem Weg. In Orthes ist die Pilgerherberge übrigens in einem schönen, historischen Gebäude untergebracht. Am nächsten Tag hatten wir wieder ein Problem mit der Übernachtung. Unser letzter Wirt hatte uns dann 3 km weiter in Osserain ein Quartier besorgt. Erst einmal aber waren 4 Stunden im Regen zu laufen. Dann ging es so mit dem Wetter und zum Ausgleich wurden die Pyrenäen immer schöner. Im Quartier in Osserain haben wir Jonas getroffen, der auf Inline-Skatern nach Santiago unterwegs war. Saint-Palais war das nächste Ziel. Es war ein schöner Lauftag bei nur 17km. Um 14:00 Uhr waren wir am Kloster. Hier wollten wir zwei Tage bleiben. Geht eigentlich nicht, mit Renates Knie ging es doch. Die Klosterregeln aber sind streng. Um 09:00 Uhr mussten wir raus aus dem Kloster und durften erst ab 14:00 Uhr wieder hinein. Darauf hatten wir auch gewartet, denn es regnete den ganzen Tag. Hinter Saint-Palais befindet sich auf einer Anhöhe die Stele von Gibraltar. Sie steht für das Zusammentreffen der drei Pilgerwege von Le Puy (Via Podiensis), Vézelay (Via Lemovicensis) und Tour (Via Tourensis), die aber erst danach zusammentreffen. Doch einige Kilometer weiter, in Ostabat sieht man schon erheblich mehr Pilger. Es müsste der Ort Gamarthe gewesen sein, wo neben der kleinen Kirche eine rustikale Pilgereinkehr war. Im Vertrauen war Selbstbedienung bei Kaffee, Kaltgetränken, Kuchen und Joghurt angesagt. Die Bezahlung lief ohne Preisliste auch auf Vertrauen. Abgewaschen wurde vom Hauspersonal. Auf dem Trockenklo stand ein großer Behälter mit Hobelspänen und einem Emailbecher zum einstreuen dazu. Es geht auch einfach! Die Pyrenäen liegen nun majestätisch vor uns. Jetzt nur noch den kleinen Ort La Magdeleine durchqueren, dann müsste Saint-Jean-Pied-de-Port zu sehen sein. Dieser Ort wird von vielen Pilgern als Beginn des Camino Francés und damit als Start von „ihrem Pilgerweg“ angesehen. Einen guten Kilometer weiter war es dann soweit. Man durchschreitet das Saint-Jakobs Tor an der Zitadelle und geht auf der Rue de la Zitadelle in den historischen Teil von S.-J.-P.-d.-Port hinein. Hier sieht und riecht es förmlich nach Jakobsweg. Das Straßenbild mit den alten Häusern und der Kirche vor der alten Brücke passen einfach perfekt. Unsere Übernachtung lag auch an dieser Straße. Der Blick nach hinten hinaus ging über die vielleicht 30m davorstehende, aber unter uns liegende alte Stadtmauer in Richtung Pyrenäen. Eine kleine überdachte Terrasse, nach vorn offen, war ein beliebter und notwendiger Treffpunkt der 15 Pilger aus diesem Haus. Ein offenes Waschbecken an der Wand für die kleinen Säuberungen und daneben hinter zwei Holzverschlägen die Dusche und die Toilette für die gesamte Truppe war der Sanitärbereich. Etwas mehr Zeit für diesen Ort wollten wir schon haben. Die Wirtin ließ sich mit Blick auf Renates schmerzendes Knie erweichen. Wir brauchten an diesem zweiten Tag nicht mit den Pilgern zwischen 05:30 und 07:00 Uhr frühstücken. Für uns war 08:00 Uhr angesagt. Leider hatte es wieder den gesamten Tag geregnet. Eine Sache viel uns auf. Es liefen sehr viele Pilger mit neuen Schuhen und sauberen Hosen herum. Das waren die „Neuen“, die ihren Weg hier begannen. Am anderen Morgen wurde es ernst. Wobei an diesem Tag nur eine kurze Anstiegs-Etappe auf dem Programm stand. Nach 06:00 Uhr standen erst einmal die Pilger aus dem „10er-Zimmer“ zum Gruppen-Zähneputzen am Waschbecken. In voller Kleidung; eine kleine Asiatin hatte sogar schon ihren Regenponcho an und die Kapuze über dem Kopf, obwohl erst für den nächsten Tag Regen angekündigt war - welch eine Aufregung. Wir „mussten“ dann um 07:00 Uhr zum Frühstück. Die Pilgertruppe aus dem 10-Personenzimmer war schon fertig, so dass wir Platz am Tisch hatten. Dann ging es los (wo wir doch eigentlich Zeit hatten). Nur 200 Höhenmeter waren zu überwinden, also standen wir trotz längerer Pause unterwegs schon gegen Mittag an der Unterkunft in Valcarlos, welches schon in Spanien liegt. Damit hatten wir das nächste Problem. Über dieses Zimmer, schon in Magdeburg gebucht, weil rar, hieß es in der Reservierung, dass erst um 17:30 Uhr jemand kommt. Das Haus lag etwa 5 m vom Fußweg zurück. Die Zimmer im Erdgeschoss hatten Zugang von Außen. Nach der vergeblichen Suche nach einer Person, die uns vielleicht weiter helfen könnte, haben wir an einer dieser Türen einen eingesteckten Schlüssel mit einem kleinen Anhänger und verwischter Kreideaufschrift „ Jürgen 2 pax“ gesehen. Sollte dies für uns sein? Erst einmal hinein und die Rücksäcke abgestellt. Entschuldigen könnten wir uns später immer noch … . Es war für uns!!! So unkompliziert kann man es machen. Der nächste Morgen: Der Blick auf die Straße beim Frühstück sah, dass es trocken war - schön. Eine halbe Stunde später - die Straße war nass, es regnete - Sch... . Das fing gut an. Was dann folgte, waren 6 Stunden im Regen laufen, um die 16 km und den Höhenunterschied von 750m zu schaffen. War es am Anfang noch leichter Regen, schüttete es oben wie aus Eimern. „Oben“ ist der Ibañeta-Pass auf 1057m. Dann lag Roncesvalles vor uns. Es ist nur eine kleine Häuseransammlung, die von der mächtigen Augustinerabtei und den Pilgerunterkünften dominiert wird. Vor dem Erhalt des Pilgerstempels musste das „wer“ und „woher“ ausgefüllt werden. Abends bei der Pilgermesse, die sehr schön war, wurden dann auch ca. 20 Länder aufgezählt, die heute mit Pilgern vertreten waren. Gefühlt geht der Camino Francés für uns jetzt richtig los. Beim Losgehen erinnert ein Schild mit der Aufschrift „SANTIAGO DE COMPOSTELA 790“ an die nun vor uns liegende Strecke. Der Jakobsweg verläuft auf einem eigenen Weg durch Wälder und Weideland. Mal ist er gut zu laufen, mal durch Matsch, zwischendurch die Orte. Obwohl vom Höhenunterschied eigentlich bergab, hatten wir immer wieder Anstiege zu bewältigen. Noch etwas Neues kam jetzt hinzu. Hatten wir bisher feste Planungen für die Tagesetappen und schon zu Hause eine Vorstellung oder sogar feste Reservierungen für die Übernachtungen, so werden wir uns jetzt mehr vom Verlauf des Weges und der Übernachtungsmöglichkeiten leiten lassen. In Biskaretta-Gerendiain war es eine Pension, die mit „Englisch“, „Deutsch“, und „Französisch“ wirbt. Und so waren wir mit 2 Frauen aus den USA, einem Paar aus der Schweiz und einem aus den Niederlanden am Tisch. Gesprochen wurde hier Englisch und Deutsch, so dass alle einbezogen waren. Weiter ging es auf und ab. Gerade hier war viel Schotter und Geröll. Man musste sehr auf den Weg achten. Renate war „begeistert“. Dazwischen auch immer schön zu laufender gerader Weg. In Zubiri, mit der mittelalterlichen, schönen Puente de la Rabia, wurde Rast gemacht. Während wir vor Saint-Jean-Pied-de-Port nur wenige Pilger unterwegs getroffen hatten, riss es hier nun nicht mehr ab. Man wird in den verschiedensten Sprachen angesprochen und gegrüßt, einmal sogar in Russisch, meist jedoch mit „bon camino“. Gleich hinter Larrasoaña liegt der kleine Ort Akeretta mit einem kleinen Hotel, welches als Geheimtipp gilt. Sehr liebevoll eingerichtet, hatte es aber seinen Preis. Heute war Pamplona als letzte Tagesetappe unser Ziel.
Eine Weile geht es auf einem schmalen Weg am Fluß entlang. Dann kommt hinter Irotz, nach einem Rastplatz, ein steiler Anstieg, der teilweise als Treppe ausgebaut werden musste. Entschädigt wird dies mit dem wundervollen Ausblick von hier oben. Heute war aber auch schon das zweite Gedenkkreuz für Pilger, die ihren irdischen Weg hier beenden mussten. Vor Pamplona liefen wir über die mittelalterliche Brücke von Trinidat de Arre. Gleich dahinter der Konvent der Hermanos Maristas, welcher immer noch eine Pilgerherberge betreibt. Die Bebauung geht fast übergangslos in das Häusermeer von Pamplona über. Beinah direkt an unserem Weg liegt die Casa Paderborn, eine Pilgerherberge, die vom Freundeskreis der Jakobspilger Paderborn geführt wird. Zwar war unsere Übernachtung nicht hier geplant, aber da wir einen Stempel von Paderborn in unseren Credencials haben, haben wir uns hier den Stempel für Pamplona geholt. Mit dem Besuch der Kathedrale in der Altstadt endete dann der Jakobsweg auf dieser Etappe. Es war dieses Mal eine kurze Etappe. Die Ehrfurcht vor der Überquerung der Pyrenäen (die aber unbegründet war) und die Voraussetzung einer Bahnstation hatten Pamplona als Ende ausgewählt. Jetzt sind wir insgesamt 2.335 km unterwegs.

Viele Grüße von Renate und Jürgen


Pilgern ab 60 (6)

03.05.2014 Uhr Renate und Jürgen juergen.adamek@mdcc-fun.de

Es war schon spät am 30. März 2014, als wir in unserer Unterkunft in La Coquille ankamen. Wir hatten aber am Tag zuvor anrufen lassen. Liz und Paul warteten am Kamin auf uns. Obwohl nicht eingeplant, bekamen wir noch ein leckeres Abendessen. Das tat gut, weil tagsüber keine Gelegenheit zur Einkehr war. Am nächsten Morgen waren wir dann wieder auf dem Jakobsweg. Anfangs gut zu laufen, fanden wir uns bald auf einem Waldweg wieder, der den letzten Regen noch nicht verdaut hatte. Zum Glück wurde es nach 1,5 km besser. Der Tag hatte allerdings noch ein anders Problem. Die von La Coquille angerufenen Unterkünfte für heute hatten sich nicht zurückgemeldet. In Frankreich sollte man grundsätzlich 24 Stunden vorher ein Quartier vereinbart haben. Also hatten wir keine Übernachtung für heute. Das office du tourisme in Thiviers half weiter, so dass wir „nicht unter´m Baum schlafen mussten“, wie wir selbst immer mal wieder aus Spaß sagen. Heute fiel uns der Unterschied beim Wetter zum letzten April so richtig auf. Hatten wir vorigen Jahr tagsüber nur Temperaturen unter 5°C, so waren es jetzt um 20°C und trocken. Wir kamen durch eine schöne Landschaft und gut voran. Mitten auf einem grünen Feld stand ein kleiner runder Steinbau mit steinernem Dach. Die Neugierde war erwacht, also hin. Es war ein alter Brunnen. Ob man den hier bei uns stehen gelassen hätte? Ein Stück weiter gab es eine schlechte Überraschung. Aus einem offen Gatter kamen drei Hunde bellend auf uns zu gerannt. Wir waren auf einem öffentliche Weg! Die beiden kleineren gaben dem großen den Vorrang, der laut knurrend sofort gegen Jürgen vorging. In einer Reflexreaktion bekam er von Jürgen von unten einen Schlag mit dem Pilgerstab gegen den Hals. Das machte ihm wohl klar, dass wir uns wehren würden. Auf mehr hat er es dann auch nicht ankommen lassen. Dies war das erste Mal nach über 1800 km, dass wir den Pilgerstab zur Abwehr einsetzen mussten. Am dritten Tag hatten wir Périgueux erreicht. 24 km und Sonne hatten doch geschlaucht. Wir sind hier in der Region Aquitaine, ich glaube, wir hatten es schon einmal erwähnt. Juliet und Jean-Louis, die uns empfingen, waren im vorgerückten Alter. Sie, als ehemalige Lehrerin sehr wissbegierig, wollte viel über den Weg und auch unsere Heimat wissen. Er ist Musikliebhaber, sitzt oft in seinem Ohrensessel und genießt klassische Musik. Am Abend fing es an zu regnen. Für Périgueux muss man ein paar Stunden Zeit einplanen. Die Altstadt mit ihren schmalen Gassen und die „Cathédrale Saint-Front“ sollte man gesehen haben. Ein Stück weiter die „Église Saint-Etienne“ mit ihren Kuppeln erinnern genau so wie die Kathedrale an byzantinische Architektur. Der zweite Tag in Périgueux hatte nur einen kleinen Schönheitsfehler. Es regnete immer noch. Am nächsten Tag war Razac sur L Ísle das Ziel. Wir gingen los und es regnete weiterhin. Aber nicht mehr lange. Der Weg verlief schön am Fluss Isle entlang. Madame Brockk in Razac sur l Ísle hat auf dem Grundstück ein Gartenhäuschen. Nett eingerichtet, mit allem was man so braucht. Sie selbst sprach Englisch und etwas Deutsch, so konnte man gut miteinander erzählen. Ab jetzt wurde das Wetter immer besser. Meistens Sonnenschein und das Thermometer kletterte gen 20°C. Nach Douzillac waren es 22 km. Im Ort holte uns Roger mit seinem Pkw ab. Er und seine Frau Christine haben sich vor Jahren hier ein Haus gekauft und verbringen ¾ des Jahres in Frankreich und den Rest im Winter in ihrer Heimat England. Beide ehemals Lehrer, also sehr wissbegierig, hatten zum Abend französische Freunde und uns eingeladen. Es war sehr interessant für uns. Roger hatte uns am nächsten Morgen ein englisches Frühstück bereitet, was heißt, dass wir mal richtig was im Bauch hatten. Wir erinnern uns? In Frankreich gibt es sonst morgens meistens nur Baguette, Croissant, Butter und Marmelade. Auf kleinen Wegen haben wir dann Mussidan rechts liegen gelassen und sind die 23 km bei sonnigem Wetter durch wechselnde Landschaft gelaufen. Leider wieder kaum eine Möglichkeit unterwegs zum Sitzen, außer man nimmt den Erdboden. Dann nach ¾ der Strecke, 30 m abseits, an einer kleinen mit einem Steinhäuschen eingefassten Quelle und ein paar Krebsen drin, ein netter Platz mit Tisch und Bank. Schön, aber leider selten. Unser Übernachtungsort La Gratade war nur eine kleine Ansammlung von Häusern mit eben diesem „Accueil Pelerins“ Gite. Am Haus kam zufällig die ca. 20jährige Tochter zeitgleich an und rief ins Haus: „Saint Jacques vient“ Sollte Jürgen wirklich schon wie der Heilige Jakobus aussehen? Am nächsten Tag, 10km hinter La Gratade, hielt ein französischen Ehepaar im PKW an, welche Übernachtungsgäste suchten, die nicht gekommen waren. So etwas sollte man tunlichst nicht machen. Denn immerhin bereiten die Gastfamilien nicht nur das Zimmer vor, sondern kaufen auch extra zum Abendessen und Frühstück ein. Das Wetter war ähnlich wie gestern, es ging zügig voran und gegen 14:15 Uhr war Sainte-Foy-la-Grande erreicht. Im Hundertjährigen Krieg, also zur Zeit von Jeanne d´Arc erbaut, gibt der alte Stadtkern noch heute das Bild einer Bastide (Wehrsiedlung ) wieder. Schön an der Dordogne gelegen, haben wir hier am nächsten Tag auch Waschtag gehabt und die Seele baumeln lassen, denn am Tag darauf waren 26 km angesagt. Das Wetter mit Sonne und Mittagstemperaturen noch unter 20°C hielt an. Wir liefen jetzt durch das große Anbaugebiet der Bordeaux-Weine. So wurde es dann auch 15:45 Uhr, als wir an dem sehr schönen Chambre d`hotes „Manoir de James“, in der Nähe von Saint Ferme ankamen. Der Hausherr bot an, uns in den kleinen Ort Saint Ferme zu fahren und war dann auch gleich unser Führer im Gebäude der ehemaligen Abtei und der ehemaligen Klosterkirche der Benediktiner. La Reole war das nächste Ziel. Nach 10 km haben wir eine Gedenkminute eingelegt. Etwa hier waren wir seit Magdeburg 2000 km gelaufen. Weiter, vor Roquebrune sah man von weitem eine interessante Kirche auf einer Anhöhe im Ort. Außerdem gab es einen guten Sitzplatz, um Rast zu machen. Auch drinnen wieder die hochverehrte Jeanne d´Arc als Statue. Wir konnten dem Angestellten, der uns die Tür geöffnet hatte, erzählen, dass wir auch schon am Geburtsort von ihr waren (und später, auf der Rückfahrt, auch am Hinrichtungsort). In La Réole haben wir Anny und Klaus getroffen, zwei Pilger aus Luxemburg. Sie hatten diese Etappe in Thiviers begonnen, also eine Tagesetappe nach unserem Start und wollten genau wie wir, bis nach Mont-de-Marsan laufen. La Reole liegt an der Garonne und war im Mittelalter mit seinem Benediktinerkloster ein wichtiger Ort für die Pilger. Am nächsten Tag mussten wir Bazas erreichen. 25 km lagen vor uns. So wurde es auch Nachmittag. Bazas hat einen schönen alten Stadtkern und wieder eine beeindruckende Kathedrale, mit dem Schutzpatron „ Johannes dem Täufer“. Auch Bazas war früher eine wichtige Pilgerstation nach Santiago de Compostela. Unsere Unterkunft, etwas außerhalb gelegen, war dieses Mal schwer zu finden. Wir haben erst einmal etliche Gehöfte abgefragt. Während Jürgen zu einer Kita lief, gingen bei Renate zwei Kinder vorbei, welche Renate anstrahlten und ansprachen. Die liefen nach Haus und berichteten, dass da unten zwei Deutsche seien. Es waren Kinder von dem gesuchten Chambre. Nun eilte die Mutter einen Wiesenweg durch Buschwerk vom Berg herunter und nahm uns in Empfang. Nach einem Ruhetag ging es Richtung Captieux weiter. Bald kommt ein schöner Wanderweg auf einer ehemaligen Bahntrasse, der geradewegs in „Les Landes“ hineinführt. Hier sollte man guten Mückenschutz bei sich haben und langärmelig und langbeinig angezogen sein. Es ist eine ausgedehnte ehemalige Heidelandschaft, die nach Regen auch heute noch teilweise tagelang unter Wasser steht. Schon jetzt, im April, waren die kleinen Blutsauger aktiv. Auch am nächsten Tag ging es auf dem ehemaligen Bahndamm und dann über Wald- und Nebenwege weiter bis zum kleinen Örtchen Bourriot-Bregonce. Hier, im Chambre, hatten uns Anny und Klaus eine Nachricht hinterlassen. Zum Schluss hatten wir uns ein paar kürzere Tagesetappen gegönnt. Nächstes Ziel war Roquefort, welche aber nicht mit der bekannten Käse-Stadt identisch ist. Dorthin, nach vielleicht 5 km kommt man durch Retjons. Dort steht die denkwürdige Stele, die anzeigt, dass es bis nach Santiago de Compostela noch 1000 km weit ist. Roquefort ist ein kleines sauberes und verträumtes Städtchen mit einigen historischen Gebäuden. Herausragend ist die „Église Notre-Dame“ aus dem 12. Jh., die aber zur Zeit innen restauriert wird. Gleich links daneben eine kleine Kapelle, die dem heiligen Jakobus geweiht wurde, natürlich mit einer Jakobusstatue. Nun lagen noch zwei Tagesetappen vor uns; nach Gailleres und dann Mont-de-Marsan. Vorher aber kamen wir durch den kleinen Ort Bostons. Eine kleine, aber beeindruckende Kirche grüßt schon von weitem. In der Mitte des Gebäudes ein wehrhafter romanischer Turm. Im Inneren an der Westseite des Raumes eine interessante Rundbogenwand im romanischen Stiel. Wirklich schön war ein kleiner Nebenraum, den man vom Vorraum der Kirche aus betreten kann und der für Pilger eingerichtet ist. Es ist ein Herd, ein Kamin, Waschgelegenheit, Utensilien zur Essenszubereitung und ein Sofa zur Übernachtung drin. Alles ordentlich und sauber. Hier gibt es Mitmenschen, denen die Pilger besonders am Herzen liegen. Im Pilgerbuch hatten wir gelesen, dass Anny und Klaus auch hier waren. Die letzten Kilometer führt der Jakobsweg wieder über einen gut ausgebauten alten Bahndamm. Dann war Mont-de-Marsan erreicht und hinter uns liegen nun insgesamt 2122 km.

Viele Grüße von Renate und Jürgen


Kartenmaterial Jerichow - Magdeburg

22.03.2014 Uhr Mats Meier meiermats@web.de

Hallo zusammen,
letztes Jahr waren wir von Halberstadt nach Helfta unterwegs. Dabei mussten wir leider feststellen, dass die Beschilderung an vielen Stellen entweder gar nicht vorhanden oder nur entgegen der eigentlichen Wander-Richtung Santiago zu sehen ist. Das führte zu einigem Umherirren und letztendlich dazu, dass wir den Weg verließen und uns nur noch nach der Wanderkarte richteten.
Da wir für unsere diesjährige Tour den Weg von Jerichopw bis Magdeburg vorgesehen haben, der laut der Beschreibung im Buch zum Teil völlig zugewachsen ist, suche ich nach einer Karte, nach der wir uns orientieren können. Kennt jemand den Weg und kann Tipps geben?
Im Voraus besten Dank.
Mats Meier


Wer pilgert mit nach Santiago im Juni 2014?

04.03.2014 Uhr Frank Wolff wolffs-wolff@web.de

Ich, ein spititueller Mensch, möchte gern im Juni 2014 gen Santiago de Compostella pilgern, bin weit gereist und oftmals per pedes, deshalb sollte mein/e WanderpartnerIN nicht fusslahm sein und einen offenen Geist haben! Angebote und Fragen bitte ich an mich per eMail zu senden!
Ich freue mich

Frank Wolff
Postfach 1208
06496 Thale


Jakobsweg in Polen und den Baltischen Ländern

02.02.2014 Uhr Michel Quack michel.quack@web.de

Bei der Beschreibung des Wegabschnitts 'Via Baltica' wird zwar erwähnt, dass er sich 'von den baltischen Ländern' über Rügen/Usedom ... bis Osnabrück erstrecke, aber über seine Wegführung jenseits von Rügen habe ich im Netz nichts gefunden. Wer möchte mir helfen?


Pilgern ab 60 (5)

05.11.2013 Uhr Renate und Jürgen juergen.adamek@mdcc-fun.de

Am frühen Vormittag des 30. September 2013 verließen wir das kleine Hotel in Saint-Amand-Montrond in Frankreich für die nächste Etappe auf dem Jakobsweg. Schnell hatte uns der Weg wieder eingefangen. Die Rucksäcke drückten noch auf den Schultern. Die Muskeln freuten sich, zumindest auf den ersten Kilometern. Das Wetter meinte es gut mit uns, 21°C und trocken. Wir waren hier in der Region Centre. Eine wellige Landschaft mit viel Grün und viel Landwirtschaft. Die Rinder sind nicht mehr weiß, sie sind braun, in kleinen Herden und sehen aus wie glückliche Rinder. Am Nachmittag kamen wir im Refuge pélerin prive „Voie de Vézelay“ von Paul an. Eine rustikale Unterkunft. Geistig fit und körperlich für seine 81 Jahre gut in Schuss, war er in seiner Art einfach liebenswert. Wir hoffen, dass sein Sohn, der nebenan wohnt, später weiterhin für die Pilger da sein wird.
Der nächste Tag ging nach Châteaumeillant. Obwohl nur 22°C warm, empfanden wir das Wetter als belastend. Vielleicht, weil wir erst den zweiten Tag unterwegs waren. Nach 24km kamen wir endlich im B&B von Anne-Marie Chabert an. Paul aus der letzten Unterkunft hatte es vermittelt. Marie, wie sie sich vorstellte, empfing uns mit großem Redeschwall. Erst in französisch, als sie dann merkte, dass wir kein Wort verstanden, in englisch. Ein herrliches Unikum. Im dritten Gang des Abendessens gab es verschiedene Käsesorten. Den Ziegenkäse beschrieb sie uns, indem sie wie eine Ziege meckerte - das war Anne-Marie.
Tagesziel heute war Le Châtre. Das Wetter meinte es wieder gut mit uns, 21°C und trocken, es war angenehm. Der Weg hatte kaum Steigungen oder Gefälle. Trotzdem machte Renates rechter Fuß und mein rechtes Knie Probleme. Dass kann ja noch heiter werden. Es ging dann aber doch bis Le Châtre. Paul und in einem zweiten Telefonat auch Anne-Marie hatten uns im Presbytère der Kirche von Le Châtre die Übernachtung vermittelt. Das Haus atmete die Geschichte von mehreren Jahrhunderten aus. Richtig gerade war da keine Wand. Eine der Angestellten kam aus Deutschland und sprach also gut deutsch. Dies ist hier tief in Frankreich schon wie ein Sechser im Lotto in der Verständigung. Nachdem sie sich viel Zeit für unsere Pilgerpässe mit den vielen Stempeln seit Magdeburg genommen hatte, war natürlich Sachsen-Anhalt, Magdeburg selbst, die Geschichte von Otto dem Großen und der Magdeburger Dom das Thema.
Es ging dann weiter nach Cluis. Eigentlich war es ein angenehmer Tag zum Laufen. Um die 19°C. Vormittags trocken, am Nachmittag leichter Nieselregen. Aber eben 24km. Unsere Leistungsgrenze liegt eher bei 20km. In Cluis gab es an der Kirche ein kleines Kaffee, daneben ein Lebensmittelladen mit marokkanischer Ordnung. Was der auf seiner kleinen Fläche bereit hielt, war fast alles, was Frankreich zu bieten hat. Es war ein Marokkaner, der den Laden führte. Sehr nett fragte er uns gleich nach dem Woher und Wohin. Dann griff er zum Telefon und nach einer halben Tasse Kaffee war die Frau von der Kirche mit dem Schlüssel für unsere Übernachtung zur Stelle. Wir hatten ein ganzes Haus für uns allein. Oben ein Zimmer mit zwei Doppelstockbetten, unten Küche mit Essplatz und Duschecke. „Tragt euch noch ein und wenn ihr morgen geht, legt bitte den Schlüssel außen (an einen bestimmten Platz) hin.“ Und weg war sie wieder. Die Liste, wo wir uns eintragen sollten zeigte schön, dass in unserer Altersklasse recht viele Pilger unterwegs sind. Weiter auf dem Weg nach Crozant kommt hinter La Chapelle-Baloue auf der rechten Seite ein gedrungenes altes Steinkreuz. Pilger haben hier wieder viele kleine Steine abgelegt. La Souterraine war nun unser nächstes Tagesziel. Heute früh hatten wir die Region Limousin erreicht. Der Tag war mit 24km wieder eine lange Tour. Und das Ende sollte auch keinen Spaß machen. Zumindest nicht für Jürgen. Aber zuerst hatten wir von der Landschaft her wieder einen schönen Weg vor uns. Unterwegs trafen wir Michelle. Eine Französin, die jetzt nach dem Ende ihres Berufslebens den Jakobsweg pilgert. Sie wollte bis Ende November noch bis Saint-Jean-Pied-de-Port kommen. Leicht geschafft kamen wir in La Souterraine an. In die Altstadt geht man von Osten durch einen alten Stadttorturm, gleich dahinter die Kirche Notre-Dame. Die hat nun eine Besonderheit. Noch heute gibt es unter ihr, schon damals unterirdisch, eine kleine Kapelle, die gerne von Pilgern besucht wurde und der Stadt ihren Namen gegeben hat, „ Die Unterirdische“. Diese Nacht waren wir im Chambre d`hotes bei M und Mme Rowney untergebracht. Geschlafen wurde oben, das Abendessen gab es unten in der Küche. Die Stufen der Treppen war leicht nach vorn abfallend und auf Hochglanz gebohnert. Schon auf der ersten oberen Stufe rutschte Jürgen mit seinen leichten Filzpantoffeln aus und ab ging es 18 Stufen nach unten. Benommen schaffte er es noch bis zur Küche, dann ging nichts mehr. Als er wieder zu sich kam, lag er auf dem Fußboden und spürte, dass jemand seine Puls fühlte. Es war Michelle, die ebenfalls hier übernachtete und früher Krankenschwester war.
Die große Frage am anderen Morgen war, ob Jürgen weiterlaufen konnte. Es war nichts gebrochen, und was da weh tat, musste ignoriert werden. Zum Einkauf für heute waren wir gestern nicht gekommen, aber es gab ja zwei etwas größere Orte unterwegs. Am Abend waren wir wieder in einem Chambre d`hotes untergebracht, bei Mme Godsen. Beim Stadtbummel haben wir Michelle wieder gesehen. Begrüßung mit Küsschen auf die Wangen, leider hat sie wo anders übernachtet.
Bénévent-l`Abbaye und Châtelus-le-Marcheix hießen die nächsten Tagesziele. Das Wetter war gut, die Landschaft schön, da haben nicht einmal die kräftigen Steigungen unterwegs die Tage gestört. Die heutige Übernachtung war im einem accueil pélerin. Praktisch hieß das, wie hatten wieder eine Übernachtung mit Frühstück und Abendessen.
Die 10km nach Les Billanges hätten wir gestern anhängen können. So hatten wir eine kurze Tagesetappe und waren bei Françoise, einer Künstlerin untergebracht. Es war wieder ein accueil pélerin. Françoise verarbeitet alles, was sie in ihrer Umgebung finden kann, von der Keramikscherbe bis zum rostigen Draht. Das sie davon leben kann? Als Françoise für uns telefonisch die nächste Übernachtung erfragt kam die Gegenfrage. „Ist da der Pilger bei, der die Treppe runter gefallen ist?“ Also war Michelle schon dort.
Der Tag darauf war kühl, so um die 8°C. Der Weg überraschte immer häufiger mit kräftigen Anstiegen. Alles blieb aber im grünen Bereich. In Saint-Léonard-de-Noblat empfingt uns Eveline in ihrem accueil pelerins mit der Frage, ob denn der Rücken und so wieder in Ordnung ist? Na ja, es ging so. Im Ort gibt es die beeindruckende Église Saint-Leonard aus dem 11. Jh. Der heilige Léonard hat hier sein Grab. Ein schöner Altstadtkern lädt dann noch zu einem Abendbummel ein.
7,5 Std. haben wir am nächsten Tag für die 25km bis Limoges gebraucht. Davon genau 4 Stunden im Regen und mit insgesamt 2 Pausen von je 10 Min. Weil es nirgends einen trockenen Fleck gab, waren es 2 Stehpausen. Das war keine Etappe zum Lachen, aber Limoges war dann um 16:30 Uhr erreicht. Schon der Weg über die alte Pont St. Etienne in die Altstadt, mit den im Pflaster eingelassenen Jakobsmuscheln aus Messing, die zur Kathedrale führen, entschädigen für die Anstrengung. Hier in Limoges hatten wir eine Übernachtung der besonderen Art. Eveline von gestern hatte uns ein Zimmer bei den Soeurs Saint-François d`Assise, also bei den Schwestern des Heiligen Franz von Assisi besorgt. Ein kleines Kloster, gleich neben der Cathédrale Saint-Etienne und gegenüber dem alten Bischofspalast. Schwester Gisele empfing uns sehr freundlich, zeigte uns das Zimmer und gab uns den Schlüssel zur Pforte. Es war schon eine besondere Atmosphäre hier und eine Bereicherung für uns. Am nächsten Tag gab es noch eine rührende Begegnung. An der Église Saint-Michael-des-Lions waren wir in voller Ausrüstung. Eine Französin kam auf uns zu und fragte, ob wir nach Compostelle pilgern wollen. Mit Freude in den Augen umarmte sie uns spontan und es gab Küsschen links und recht.
Hinter Limoges führt der Jakobsweg an alten, ehemaligen Mühlen vorbei. Links neben uns immer das kleine Flüsschen L´Aixette, die Landschaft weich und wellig. Es kommen immer mal wieder neugierige Esel bis an den Weidezaun. Dies war wieder eine schöne Tagesetappe. Hinter dem Château Lajudie steht ein größeres altes Steinkreuz, welches in seiner Form fast an ein Keltenkreuz erinnert. In Bord erwartete uns das bisher beste Chambre d`hotes. Ein sehr geschmackvoll umgestaltetes älteres Gehöft.
Châlus war das nächste Ziel. Immer mal wieder Regen, besonders auch nachts, hatte die Wege sehr nass gemacht. Den ausgeschilderten Jakobsweg haben wir deshalb nicht genommen, weil der dann oft so unter Wasser steht, dass es wirklich keinen Spaß macht. Es ging auf schmalen, asphaltierten Straßen mit kaum Verkehr wesentlich besser voran. Leider fing es ab 14:00Uhr wieder an zu regnen und der hielt bis zum nächsten Vormittag an.
Die letzte Tagestour lag heute vor uns. Zum Glück hörte der Regen bald auf. Über schöne Nebenwege ging es Richtung La Coquille. Jedenfalls bis Lavaud. Dahinter gab es lt. Karte und Google Maps keinen asphaltierten Weg, aber einen nur 500m langen Wirtschaftsweg. Die einzige menschliche Seele dort, eine Frau um die 50 dort, kannte diesen Weg aber nicht (der gleich 200m hinter ihrem Haus begann) und schickte uns bei dieser Nässe einen unmöglichen Wiesen- und Waldweg mit 1km Mehrlänge durch die Gegend. Höhepunkt war hier noch der auf der ganzen Breite überflutete Weg, mit schmaler, hochgefahrener Kante und gleich daneben ein unter Spannung stehender Weidezaun. Da war der Pilgerstab zum Abstützen sehr hilfreich. Um 14:30Uhr, wieder im Regen, hatten wir es geschafft. 288km lagen von dieser Etappe hinter uns, 1.830km seit Magdeburg. Leicht geschlaucht, aber zufrieden ging es nach Haus.
Viele Grüße von Renate und Jürgen


Jakobsweg von Madrid nach Sahagun

09.10.2013 Uhr Gunter gunter.schild@gmx.de

Wir gingen Ende September / Anfang Oktober den Jakobsweg zwischen Madrid und Sahagun. Dies kann ich außerordentlich empfehlen. Wir trafen während der ganzen 12 Tage nur 2 Pilger, so dass es - auch angesichts der oft sehr weiten Landschaft - optimale Möglichkeiten zur Besinnung gab.


Pilgern ab 60 (4)

17.06.2013 Uhr Renate und Jürgen renjue@t-online.de

Pilgern ab 60 (4)

Am 12.05.2013 standen wir wieder auf dem Jakobsweg in Auxerre. Die nächsten 20 km am Kanal der Yonne entlang, bis Cravant werden im Buch „wie ein Sonntag im Mai“ bezeichnet. Sie sind es auch. Leicht zu laufen geht es in einer schönen Landschaft voran. Anders dann hinter Cravant. Gleich hinter dem Ort muss man einen fast zugewachsenen Weg steil bergauf. Oben zeigen die Jakobsschilder zum Glück, dass man richtig war. Der Weg ist gleichzeitig der GR654. Kommt man weiter, kann man einen Abstecher zu den Grotten von Arcy machen.
Wir sahen heute die zierliche Pilgerin wieder, so Mitte 50, aus den Niederlanden, die wir gestern schon gesehen hatten und liefen eine halbe Stunde gemeinsam. Wegen eines Unfalls kann sie nicht schwer tragen. Ihr Ehemann begleitete sie deshalb mit einem Wohnmobil.
Vor Asquins kommt dann für jeden Pilger ein besonderer Moment. Man sieht das erste Mal in der Ferne auf einer Anhöhe die riesige Basilika von Vèzelay. Waren es vor 1000 Jahren die Gebeine von Maria Magdalena, 200 Jahre später dass 100.000 Mann-Heer des zweiten Kreuzzuges, welches hier lagerte, heute wieder neue Reliquien von Marie Magdalena oder einfach nur dieses grandiose Bauwerk, es gibt vieles, was dem Ort diese große Bedeutung gibt. Und dann beginnt hier einer der 4 wichtigsten Jakobswege nach Saint-Jean-Pied-de-Port, die 940 km lange Via Lemovicensis. In der nächsten Stunde waren noch 4 km und 150m Höhe zu überwinden und wir standen vor dem alten Stadttor von Vèzelay. Der Ort hat sich noch viel von seinem alten Charme bewahrt. Man kommt dann schnell zur Basilika. Wir waren so von den Eindrücken eingenommen, dass wir sogar den Stempel für unsere Pilgerpässe vergaßen. Also noch einmal zur Basilika zurück. Die freundliche Madame wollte erst einmal einige Daten für die Statistik von uns haben. Die Frage nach dem Ziel in diesem Jahr war eigentlich nicht zu beantworten. Wir hatten dieses Ziel selber noch nicht festgelegt. Dann hat sie uns mehrfach Saint-Jean-Pied-de-Port, fast schon bittend, in den Mund gelegt. Na ja, so haben wir uns geeinigt, dass sie das Kreuz dort machen soll. Wir hatten in Vézelay etwas Mühe, die nächste Übernachtung in Bazoches-du-Morvan reservieren zu lassen. Die einzige Möglichkeit im Buch, ein Chambre d`hôtes, hatte sich etwas schwer getan. Vor Ort gab es dann noch weitere Übernachtungsmöglichkeiten, was wir aber nicht wussten. Davon ein Restaurant mit Zimmer direkt an der Straße, mit recht preiswertem Essen. Zurück zum Tag. Erst einmal durften wir stundenlag im Regen laufen, bis wir am Tagesziel ankamen. Dort war niemand zu sehen, dafür ein Zettel an der Tür mit Text auf Französisch, u.a. mit unserem Namen. Wir hatten absolut keine Ahnung, was darauf stand. Eine Nebentür am Haus war nicht verschlossen. Also die Rucksäcke hinein gestellt und zum Mairie wegen des Stempels gelaufen. Den Zettel hatten wir mitgenommen, aber Mademoiselle sprach kein Englisch und Deutsch erst recht nicht. Eine herbeigerufene Kollegin half in Englisch weiter. Es war keine Absage. Und es stand drauf, dass wir im Haus die Treppe hinauf zu den Zimmern gehen sollten. An einer Tür wäre ein Zettel mit unserem Namen, dies war unser Zimmer. Wer die französische Sprache ein wenig beherrscht, ist also schon im Vorteil.
Weiter ging es in den nächsten Tagen nach, Corbigny, Champallement, Prèmery und Guerigny, wir sind im-mer noch in der Bourgogne. Auf dem Weg nach Guerigny hatte es wieder viel geregnet. Eine einzige Bushal-testelle gab es unterwegs, wo wir trocken rasten konnten. Und genau hier holte uns Dries ein. So Anfang 20, mit vollem Gepäck kam er aus Belgien und hatte über 1000 km hinter sich. Er wollte bis Compostela durch-laufen. Wir liefen eine Weile miteinander, dann war er wieder schneller. Morgen werden wir in Nevers sein. Nevers ist eine Stadt an der Loire und hat neben der Kathedrale und dem Palais Ducal noch andere Sehenswürdigkeiten. Die wohl Wichtigste ist das Kloster St. Gildard. Hier können Pilger auch übernachten. Wir wurden bald nach der Ankunft gefragt, ob wir denn schon bei der Bernadette waren. Waren wir noch nicht, weil wir die Zusammenhänge noch nicht kannten. Bernadette, besser gesagt die Heilige Bernadette war das einfache Bauernmädchen, der in Lourdes 1858 mehrfach die Gottesmutter Maria erschienen war. Seitdem entspring dort eine Quelle, der Heilkräfte zugeschrieben werden und zehntausende Besucher jedes Jahr hinzieht. 1866 ging Bernadette nach Nevers zu den Barmherzigen Schwestern in dieses Kloster St. Gildard. 1879 starb sie mit nur 35 Jahren und wurde hier beigesetzt. Nachdem man Jahre später gesehen hatte, dass ihr Leib nicht verwest war, liegt sie heute in einem gläsernen Sarg in der Kirche des Klosters. Das freie Gesicht und die Hände sind mit einer Wachsschicht konserviert und geben ihr das Aussehen wie zu ihrer Todeszeit. Soweit das Sachliche. Jeder aber, der vor ihr steht, ist wohl berührt, wenn nicht sogar ergriffen, dieser gewesenen Person so nahe zu sein.
Am nächsten Tag waren wir in Saint-Parize-le-Chatel in einem Refuge pélerin prive angemeldet, sollten aber nicht vor 17:00 Uhr eintreffen. Das bedeutete, nicht zu früh aufzubrechen. Also sind wir noch einmal in Ruhe zur Saint Bernadette gegangen. Gegen 10:30 Uhr ging´s dann los. Das Wetter war gut, leider nur anfangs. Schon vor der Rennstrecke Magny Cours fing es an zu regnen. Fast hätten wir es noch einigermaßen geschafft, wenn wir nicht den ausgeschilderten Jakobsweg genommen hätten. Anfangs geschottert und noch gut laufbar ging er in einen Rasenweg und dann in einen Feldweg über. Der war dann auch noch in voller Breite immer mal wieder überflutet. Der Regen wurde stärker und kam 45° von der Seite. Triefend kamen wir bei Monsier Chapek an. Er sprach weder Englisch noch Deutsch, nahm uns wortlos den Pilgerstab ab und deutete auf unsere nassen und dreckigen Schuhe. Selbstverständlich hätten wir sie auch selbst gleich hinter der Tür ausgezogen. Ein bisschen auf „alternativ“ gepolt war er durch und durch Jakobsweg-Anhänger. Menschen wie ihm ist es zu verdanken, dass der Jakobsweg seit Vézelay sehr gut ausgeschildert ist. Er zeigte uns unser Zimmer und ging dann wortlos in die Küche um Gemüse vorzubereiten. Jürgen machte ihm in Zeichensprache klar, dass er mit helfen wollte. Wortlos bekam er ein Messer und dann wurde das vegetarische Abendessen zu zweit vorbereitet. Später kam Madame Chapek von der Arbeit und sie sprach Englisch. Es passte zu den Beiden, dass sie sich von ihrem Jakobsweg aus Spanien einen ausgesetzten Hundewelpen mitgenommen hatten. Er heißt deshalb auch „Camino“.

Am nächsten Tag verließen wir die Bourgogne und erreichten bei Le Veurdre an der Allier die Region Auvergne. Die Landschaft ist abwechselungsreich und schön, die Sonne schien wieder.
In Charenton-du-Cher erwartete uns in einem fast herrschaftlichen Gebäude Madame Mativon in ihrer privaten Pilgerherberge. Sie ist eine herzliche Frau und wir konnten am Abend bei ihr das letzte Mal auf dieser Etappe die französische Küche genießen. Es war unser vorletzter Tag.
Am nächsten Tag hatten wir Saint-Amand-Montrond erreicht und weitere 254 km lagen auf unserem Jakobsweg hinter uns. Jetzt ging es zurück und wir machen erst einmal Sommerpause.

Viele Grüße von Renate und Jürgen


Wegzustand nach der Flut

16.06.2013 Uhr Susanne Herweg susanne.herweg@gmx.de

Hallo,
ich möchte den Weg gerne im Juli gehen, bin mir aber ob des Deichbruches bei Fischbeck und der damit verbundenen Überflutungen nun unsicher, ob es Sinn macht. Auch sonst im weiteren Verlauf dürfte in Elbnähe nicht alles beim Alten sein. Können die Organisatoren vielleicht mal eine 'Statusmeldung' dazu hier posten?

Lieben Gruß
S. Herweg
S. Herweg

*** Kommentar:
Hallo Frau Herweg, wie schon auf der Homepage vermeldet, ist der Weg im nördlichen Teil bis ungefähr Egeln nicht begehbar, ausgenommen das direkte Stadtgebiet von Stendal.Auch im südlichen Abschnitt ab Eisleben müssen Sie mit Einschränkungen rechnen.


Von Magdeburg nach Eisleben

18.05.2013 Uhr K. Jacob jacob_privat@web.de

Anfang Mai bin ich wieder auf dem St. Jakobusweg gepilgert - 10 Tage sammeln von Glücksmomenten ;-)

Auch wenn die Beschilderung teilweise nicht vorhanden war, mein Kartenmaterial dürftig und die Wegbeschreibung (pdf-Datei) nicht immer ganz nachzuvollziehen war, bin ich doch jeden Tag gut an meinem Ziel angekommen.

Hier noch ein paar Hinweise zu Unterkünften:
Ich habe sehr gut Quartier u.a. im Randauer Predigerwitwenhaus (bei Magdeburg), in der Zimmervermietung Ertl in Eickendorf (Gemeinde Bördeland), bei Gästezimmer Brunner in Ballenstedt und im 'Grünen Röckchen' in Harkerode gefunden. Die Pension in Schwanebeck existiert nicht mehr! Das Planteurhaus in Walbeck ist im Pilgerhandbuch leider sehr versteckt als Herberge angegeben.

Schön war auch, das mir aktive und Pilger außer Dienst begegnet sind.

Danke allen, die diesen Weg möglich machen!
Und denen die ihn gehen, eine gesegnete Zeit!

Herzliche Grüße
K. Jacob aus Sachsen

Empfehlenswerte Literatur: 

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